Drei Elfmeter gehalten

Der Fußball-Gott ist doch ein Bayer - oder heißt er Oliver Kahn? Mit drei gehaltenen Strafstößen im Elfmeter-Krimi von Mailand avancierte wie selbstverständlich einmal mehr die deutsche Nummer eins zum umjubelten Matchwinner.
Dem besten Torhüter der Welt blieb es vorbehalten, in der Königsklasse für den krönenden Abschluss einer nervenaufreibenden Titeljagd zu sorgen. "Er hat jahrelang brutal dafür gearbeitet. Und jetzt erntet er das, was er gesät hat", lobte Bayern-Manager Uli Hoeneß den hyperehrgeizigen Klassekeeper nach dem dramatischen 5:4 (1:1, 0:1) im Elfmeterschießen des Champions-League-Finales gegen den FC Valencia.
Sensationelle Saison gekrönt
Kahn setzte um 23.32 Uhr mit seinen Fäusten beim Schuss von Mauricio Pellegrino beim insgesamt 17. Elfmeter des Endspiels den Schlusspunkt unter eine Saison, die als die Saison des FC Bayern und des Oliver Kahn in die Klub-Annalen eingehen wird. "Oliver hat eine sensationelle Saison gespielt. Gerade er hat es verdient, als Held des Abends gefeiert zu werden", urteilte Trainer Ottmar Hitzfeld über den Garanten des ersten Bayern-Triumphes im Meister-Wettbewerb seit 25 Jahren.
Endlich geschafft
Ein Titel, den auch "Olli" schon immer haben wollte, für den er alles gegeben und bis zuletzt alles getan hat. "Er ist ein Spieler, der sich total mit dem Erfolg identifiziert, der es vorlebt, der die Mannschaft führt und zum Sieg antreibt", beschrieb der Coach die Stärken seines Nationalspielers. Gegen Valencia parierte er gleich drei der acht Elfmeter-Schüsse.
"Wie im Rausch"
"Das war wie im Rausch", beschrieb der gefeierte Kahn den entscheidenden Moment, als er den insgesamt 17. Strafstoß dieses dramatischen Duells ins Feld zurückgeboxt hatte. Kurz darauf lag er in einer Spielertraube ganz unten. Lässig an die Bar der Musical-Halle "Alcatraz" gelehnt, und passend ausgerüstet mit einem Bier der Marke Champion, fügte der zu früherer Morgenstunde leicht angeheiterte Blondschopf später im Beisein seiner Eltern hinzu: "Ich springe eigentlich immer in die Ecke, in die ich am liebsten springe, seit ich fünf bin. Außerdem halte ich nur die wichtigen Strafstöße."
Canizares getröstet
In dem zehnminütigen Nervenkrieg vom ominösen Punkt blieb der 31-jährige Schlussmann Sieger gegen Zahovic, Carboni und Pellegrino. Seine vielleicht größte Szene hatte der Ex-Karlsruher aber wohl erst nach der Entscheidung. Denn als er sein Gegenüber Santiago Canizares vor Enttäuschung wie einen Schlosshund weinen sah, ging er spontan auf ihn zu und nahm ihn tröstend in den Arm. Das half dem Spanier zwar wenig, zeigt aber, dass unter der harten Schale des in der Vergangenheit oft ausgebrochenen "Vul-Kahns" auch ein weicher Kern steckt. "Er hat sich viel besser im Griff. Die sensationellste Entwicklung aber ist, dass er seine Emotionen unter Kontrolle hat", sagte Hitzfeld.
Als "Teufel" bezeichnet
In den außerirdischen Stand erhob den Keeper, den die spanische Zeitung "As" am Donnerstag als "Teufel" bezeichnete, schließlich auch Samuel Kuffour. Der Ghanaer, der als nächster Elfmeter-Schütze bei den Bayern an der Reihe gewesen wäre, hatte während des "Shootout" um himmlischen Beistand gebeten. Und zumindest "Olli, der Göttliche" erhörte ihn. Kuffour: "Ich habe zu Gott gebetet und ihm gedankt. Dann bin ich zu Oliver Kahn gegangen und habe ihm gedankt..."
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