Mittwoch, 23. Mai 2001

Weltrekord im Herren-Doppel

Den ersten französischen Sieg seit über 30 Jahren bei den Damen und den zweiten Erfolg für Gustavo Kuerten in Paris brachte das French Open 2000. Die Highlights über die Finali des Vorjahres...

Hoch konzentriert und die Schmerzen in Beinen und Rücken ignorierend rang der Brasilianer den Schweden Magnus Norman 6:2,6:3,2:6,7:6 (8/6) nieder und reckte nach dem bemerkenswerten Schlagabtausch glückselig den Coupe de Mousquetaires in die Höhe, den ihm Boris Becker überreicht hatte. Erst mit dem elften Matchball konnte Kuerten nach 3:44 Stunden den Widerstand des zu spät aufgewachten Schweden brechen. Im hochklassigen dritten Aufeinandertreffen der beiden innerhalb eines Monats revanchierte sich Kuerten vor 16.000 begeisterten Zuschauern für die Final-Niederlage von Rom und kassierte für seinen zweiten Triumph in Roland Garros 9,88 Mio. öS. Nach dem Sieg kletterte "Guga" auf die Tribüne und umarmte seine deutsche Großmutter Olga Schlösser. Normans "gute Freundin" Martina Hingis blickte traurig drein.

Matchball-Krimi
Übernervös war der Schwede in die Partie gestartet und hatte Fehler an Fehler gereiht. Nichts, aber auch gar nichts wollte ihm gelingen. Überdies meinten es die Linienrichter nicht sonderlich gut mit ihm. Gleich zwei Fußfehler wurden ihm angekreidet, und so verwunderte es nicht, dass Norman erst nach 22 Minuten sein erstes Spiel zum 1:4 holte. Kuerten nutzte die Schwäche seines Kontrahenten gnadenlos, bis sich der Schwede im dritten Durchgang langsam steigerte und Kuerten den Aufschlag zum 3:2 abnahm. Nun ging es steil bergauf; das Match drehte sich. Wiederholt musste sich der Brasilianer an beiden Beinen und am Rücken behandeln lassen - so wie schon im Halbfinalkrimi über fünf Sätze gegen den spanischen Jungstar Juan Carlos Ferrero. Norman kämpfte wie ein Löwe und wehrte insgesamt zehn Matchbälle ab, die ersten drei nach drei Stunden Spielzeit im zehnten Spiel. 45 Minuten später nützte Kuerten erst den elften. Allein der vierte Satz dauerte 95 Minuten. "Ich habe einen Matchball nach dem anderen gespielt. Jedesmal habe ich gedacht, jetzt gewinne ich", so Kuerten nach dem Spiel.

Frankreich jubelte nach 33 Jahren wieder
"Tennis-Diva" Mary Pierce ist durch ihren ersten French-Open-Triumph zum Liebling der Franzosen geworden und hat die Nachfolge von Steffi Graf angetreten. 16.000 Zuschauer im Stade Roland Garros in Paris feierten die 25-Jährige am Samstag schon während des Endspiels gegen Conchita Martinez überschwänglich, nachdem die Französin den dritten Matchball zum 6:2,7:5-Erfolg über die Spanierin verwandelt hatte, flogen der gebürtigen Kanadierin die Herzen ihrer Landsleute endgültig zu."Es ist unglaublich. Dieses Gefühl werde ich nie vergessen. Ich bin überglücklich, gerade hier in Paris gewonnen zu haben", meinte Mary Pierce und nahm den Coupe Suzanne Lenglen als erste Französin seit 33 Jahren (Francoise Durr 1967) aus den Händen von Martina Navratilova in Empfang. "Das Publikum war superb, vielen Dank dafür. Es ist noch schöner als bei meinem Sieg vor fünf Jahren in Australien." 8,85 Mill. öS waren das stattliche Preisgeld für den zweiten Grand-Slam-Erfolg in einem über weite Strecken einseitigen Finale über 1:52 Stunden.


Conchita Martinez lag von Beginn an im Hintertreffen und musste nach 45 Minuten weitestgehend ohne Chance den ersten Satz abgeben. "Der Druck war einfach zu groß", meinte sie. Pierce blieb eiskalt und holte den 0:2-Rückstand im 2.Satz spielend auf. Weniger als 24 Stunden nach ihrem Triumph errang sie auch den Damen-Doppel-Titel. An der Seite der Weltranglisten-Ersten Martina Hingis besiegte sie das Duo Virginia Ruano-Pascual/Paola Suarez (ESP/ARG-10) 6:2,6:4.

Weltrekord im Herren-Doppel
Todd Woodbridge und Mark Woodford haben ihren ersten Titel bei den French Open in Paris gewonnen und zugleich einen neuen Doppel-Weltrekord aufgestellt. Die Australier setzten sich am Samstag im Pariser Endspiel mit 7:6 (9:7),6:4 gegen die niederländisch-australische Paarung Paul Haarhuis/Sandon Stolle durch und gewannen damit ihr insgesamt 58. Tennisturnier. Bisher hatten die "Woodies" die Bestleistung gemeinsam mit dem US-Duo Peter Fleming/ John McEnroe bzw. ihren Landsleuten Bob Hewitt/Frew McMillan gehalten.

Alle Sieger des French Open 2000:
Damen-Einzel:

Mary Pierce (FRA) - Conchita Martinez (ESP) 6:2,7:5
Damen-Doppel:
Martina Hingis/Mary Pierce (SUI/FRA) - Virginia Ruano Pascual/Paola Suarez (ESP/ARG) 6:2,6:4
Herren-Einzel:
Gustavo Kuerten (BRA) - Magnus Norman (SWE) 6:2,6:3,2:6,7:6 (8/6)
Herren-Doppel:
Todd Woodbridge/Mark Woodforde (AUS) - Paul Haarhuis/Sandon Stolle (NED/AUS) 7:6 (9/7),6:4
Mixed:
Mariaan de Swardt/David Adams (RSA) - Rennae Stubbs/Todd Woodbridge (AUS) 6:3,3:6,6:3

23.5.2001 12:00