Montag, 21. Mai 2001

Leverkusen feuert Vogts und holt Klaus Toppmöller

Leverkusen Präsident Calmund macht reinen Tisch im Verein. Trotz knapp erreichter Champions-League Qualifikation musste "Bundes-Berti" samt seinen Assistenten Wolfgang Rolff und Pierre Littbarski gehen. Calmunds Wunsch-Kandidat Klaus Topmöller hat nun unterschrieben. Für kurze Zeit war auch Ivica Osim im Gespräch.

Klaus Toppmöller wird neuer Trainer bei Bayer Leverkusen. Der 49-Jährige tritt die Nachfolge des am Vortag entlassenen Berti Vogts an. Toppmöller unterschrieb in Leverkusen einen Zweijahresvertrag. Er betreute zuletzt den Zweitligisten 1. FC Saarbrücken, von dem er sich am 29. November 2000 im Unfrieden trennte. Für den dreimaligen Nationalspieler ist es die insgesamt achte Trainerstation.

Kehrt jetzt endlich Ruhe ein?
Vielleicht kehrt jetzt Ruhe ein beim dreifachen deutschen Vize-Meister Bayer Leverkusen. Nach dem Koks-Skandal von Christoph Daum, kam Berti Vogts als Notnagel zu Leverkusen. Doch geliebt wurde er dort nie. Zu defensiv, zu zaghaft agiere die Mannschaft. Berti war das genaue Gegenteil des charismatischen Power-Menschen Daum. Die permanenten Nörgeleien in der Presse haben wohl auch Präsident Rainer Calmund genervt. Er sucht einen neuen Trainerstaab. Top-Kandidat ist Saarbrücken Trainer Klaus Topmöller, doch auch Ivica Osim hat man im Visier. Hannes Kartnig wird wieder einmal um seinen Trainer zittern müssen. Weitere Wunsch-Trainer sind Lothar Matthäus und der frühere Coach des AC Mailand, Alberto Zaccheroni.

Die 258. Entlassung in der Bundesliga
Die Entscheidung sei dem Trainer-Trio bei einer Besprechung mit Bayer-Manager Reiner Calmund und Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser mitgeteilt worden. Weitere Erklärungen für die Trennung - es ist die 258. Entlassung in der Bundesliga-Geschichte - wurden zunächst nicht gegeben. Vogts und seine Assistenten werden somit auch die USA-Tournee der Mannschaft, die am Montag startet, nicht mitmachen.

Vogts Bilanz: 10 Siege, 9 Niederlagen
Die Ablösung von Berti Vogts, der noch einen Vertrag bis Juni 2003 hat und mit einer Millionen-Abfindung rechnen kann, nach nur einem halben Jahr auf der Bayer-Trainerbank ist nach neun Niederlagen bei zehn Siegen und zwei Unentschieden keine Überraschung. Zudem stimmte die Chemie zwischen Vogts und der Mannschaft nicht. "Es gab atmosphärische Störungen, das ist kein Geheimnis", sagte Calmund, der dennoch bis zum Bundesliga-Finale an seinem Freund festhielt.

Nach Blamage beim Letzten fiel die Entscheidung
Vogts selbst wollte es bis zur letzten Bundesliga-Minute der Saison nicht wahrhaben, dass seine letzte Stunde in Leverkusen geschlagen hatte. "Ich bin stark und stehe das durch", bekräftigte er noch nach dem blamablen 1:0 gegen Absteiger Bochum seinen Durchhaltewillen. Bereits zu diesem Zeitpunkt muss Calmund seinen Entschluss schon gefasst haben, blieb er doch trotz des vierten Tabellenplatzes und dem Erreichen der Qualifikation zur europäischen Königsklasse wortkarg.

21.5.2001 21:08