"Marktwirtschaft ist grausam. So ist das halt."

Blau-Schwarz lässt in der Wirtschaft die Köpfe rollen. Vorstände und Aufsichtsräte werden im Stakkato ausgetauscht. Exekutor des Massensterbens in den Chefetagen ist Thomas Prinzhorn. Im FORMAT-Interview nimmt das wirtschaftliche Mastermind der FPÖ zu dem Vorwurf Stellung, er zwinge in den staatsnahen Unternehmen Rote hinaus und erstze sie durch blaue Freunde.
FORMAT: Herr Prinzhorn, die Radikalprivatisierung und die Personalpolitik nach dem Motto „Rot raus, Blau rein“ verstört die SPÖ enorm. Was können Sie entgegnen?
Prinzhorn: Wir haben denselben Privatisierungsfahrplan, wie er zwischen SPÖ und ÖVP in deren gescheiterten Koalitionsverhandlungen bereits vereinbart war. Bei der Umsetzung halten wir uns strikt an unser Programm.
FORMAT: Bei SPÖ und ÖVP war aber der Staat als Kernaktionär festgeschrieben.
Prinzhorn: Ich bin für den totalen Rückzug des Staates, weil wir es den Mitarbeitern dieser Unternehmen schuldig sind, endlich unter denselben Voraussetzungen arbeiten zu können, wie sie in der Privatwirtschaft gelten. Dazu stehe ich. Trotzdem muss das natürlich mit Maß und schrittweise erfolgen. Den strategischen Kernaktionär Staat gibt es nach wie vor. Das Regierungsprogramm legt diesen etwa für die Bereiche Stahl oder Energie in dieser Legislaturperiode nach wie vor fest.
FORMAT: Haben die Freiheitlichen, seit das Wendekabinett den rot-schwarzen Proporz durch einen blau-schwarzen ersetzt, ihre Liebe zur staatsnahen Wirtschaft entdeckt?
Prinzhorn: Es ist eine ungeheure Unterstellung, dass wir bei notwendigen Neubesetzungen Leute, die von der Partei abhängig sind oder die ihre Karriere der Partei verdanken, in Vorstände und Aufsichtsräte hieven. Es ist offenbar für viele noch nicht nachvollziehbar, daß einer, der weder ein rotes noch ein schwarzes Parteibuch hat, gar keines haben könnte. Der wird dann taxfrei zum Blauen ernannt.
FORMAT: Und Sie sind mit deren Performance zufrieden? Der Börsengang der Telekom Austria wird als „größte Kapitalvernichtung der Zweiten Republik“ kritisiert, die Neuordnung an der Spitze der österreichischen Airlines als „öffentliche Hinrichtung“ und „Schmierentheater“.
Prinzhorn: Unsinnige Schlagworte. Ein Börsengang kann nie Vermögensvernichtung sein. In einer Marktwirtschaft bestimmen immer noch Angebot und Nachfrage den Preis. Den Wert der Telekom hat die Börse, also der Markt, festgesetzt. Deregulierungen haben überall zu Wertverlusten der ehemaligen Monopole geführt.
FORMAT: Was hält ein Unternehmer von „öffentlichen Hinrichtungen“, wie sie derzeit den Vorständen von AUA und Telekom widerfahren?
Prinzhorn: Ich sehe keine Hinrichtungen, nur zwei Unternehmen mit gewaltigen Problemen. Manager, die die Unternehmen in diese Situation gebracht haben oder nicht schlüssig erklären können, wie sie sie wieder herausbringen, sind auszutauschen. So grausam ist die Marktwirtschaft. Reagiert man nicht, wird es noch grausamer.
Das ausführliche Interview und die Exklusiv-Story, wie der FP-Industrielle bei jeder schwarz-blauen Personalentscheidung die Fäden zieht, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT.
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