Samstag, 26. Mai 2001

Vaksince und Lojane bei Einnahme menschenleer

Am zweiten Tag ihrer Großoffensive gegen die albanischen Rebellen hat die mazedonische Armee die Rebellenhochburgen Vaksince, Lojane und Rudnicka Colonija zurückerobert. Die mazedonischen Sicherheitskräfte fanden die Dörfer im Nordwesten des Landes menschenleer vor.

Wie ein Sprecher des Innenministeriums am Freitag Abend erklärte, sind die Rebellen und die gesamte Einwohnerschaft geflohen, womöglich ins benachbarte Kosovo.

Eine Sprecherin des UNO-Flüchtlingshilfewerks (UNHCR) bestätigte, dass seit Beginn der Offensive am Donnerstag Tausende albanischstämmige Bewohner aus dem Kampfgebiet geflohen seien. Die mazedonische Armee ging nach eigenen Angaben mit Panzern, schwerer Artillerie und Kampfhubschraubern gegen die Rebellen vor. Die eroberten Dörfer waren wochenlang unter der Kontrolle von Kämpfern der "Nationalen Befreiungsarmee" UCK gestanden.

Bei den Gefechten sei ein mazedonischer Polizist verletzt worden, teilte ein Armeesprecher in Skopje mit. Von möglichen Opfern bei den Rebellen der "Nationalen Befreiungsarmee" UCK oder unter der Zivilbevölkerung sei nichts bekannt. Die Soldaten hätten ein Gebiet unter ihre Kontrolle gebracht, das bis an die Grenze zu Jugoslawien fünf Kilometer nördlich von Vaksince reicht. Weiter südlich stünden aber immer noch einige Ortschaften unter UCK-Kontrolle, fügte der Sprecher hinzu.

Mindestens 2.000 mazedonische Flüchtlinge in Südserbien
Nach UNHCR-Angaben trafen seit Donnerstag allein rund 2.000 Menschen aus Lojane im benachbarten Südserbien ein. Bei den Flüchtlingen handle es sich vor allem um Frauen und Kinder, sagte die UNHCR-Sprecherin in Pristina. Sie seien von Verwandten und Freunden aufgenommen worden. Ein Sprecher der mazedonischen Armee nannte die Zahl von 3000 Flüchtlingen aus Lojane und der Rebellenhochburg Vaksince.

In der Haupstadt Skopje hatte sich zuvor eine schwere Krise in der großen Koalition angebahnt: Ministerpräsident Ljubco Georgievski bezeichnete Donnerstag Abend ein Abkommen zwischen albanischen Rebellen und den mitregierenden Albanerparteien als "Kriegserklärung gegen den mazedonischen Staat". Georgievski warnte, die Übereinkunft der Albanerparteien mit den "Terroristen" der UCK schaffe eine "katastrophale Situation". Sie stelle die Regierung der nationalen Einheit infrage. Auch Verteidigungsminister Buckovski sprach von einer "politischen Krise". Kompromisslos zeigte sich hingegen der Chef der Demokratischen Albanerpartei DPA, Arben Xhaferi. Er werde von der Einigung nicht abrücken. Ziel der Initiative sei es, "für den Frieden zu arbeiten".

26.5.2001 08:27