OSZE-Sondergesandter muss Land verlassen

Bei neuen Angriffen der mazedonischen Armee sind nach Angaben von Rebellen am Donnerstag Zivilisten getötet und verletzt worden. Vor allem im Ort Slupcane habe es Opfer gegeben, sagte ein Rebellenkommandant.
Insgesamt seien mindestens zwölf Menschen getötet und etwa 200 verletzt worden. Die mazedonische Armee machte zunächst keine Angaben über Opfer. Eine unabhängige Überprüfung war wegen der andauernden Kämpfe nicht möglich.
Die Armee hatte am Morgen eine neue Offensive gegen die albanischen Rebellen im Norden des Landes gestartet. Die Dörfer Slupcane und Vaksince wurden mit Panzern und Artillerie beschossen. Armeesprecher Blagoja Markovski erklärte, die Streitkräfte hätten eine Großoffensive "zur Umzingelung der Dörfer in der Region" begonnen mit dem Ziel, "die terroristischen Gruppen zu isolieren und zu zerstören". Der mazedonische Sicherheitsrat hatte am Dienstagabend entschieden, weiter nicht mit den Extremisten zu verhandeln.
Am Mittwoch flammten die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und albanischen Extremisten in der Nähe der Stadt Tetovo vorübergehend wieder auf. Im nordöstlich gelegenen Kumanovo blieb es am Mittwoch dagegen ruhig, nachdem die Kämpfe am Vorabend bis in die Nacht hinein angedauert hatten. Flüchtlinge aus Kumanovo berichteten am Mittwoch von einem Überfall auf ihr Dorf durch Regierungssoldaten am Montag. Die Männer hätten rund 60 Häuser angezündet und deren Bewohner zur Flucht gezwungen. Die Augenzeugen erklärten, in ihrem Dorf habe es keine Rebellen gegeben.
IKRK: Zustand der Menschen in der Krisenregion schlecht
Der Leiter der Mission des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Mazedonien, Francois Steam, sagte, in den von Rebellen kontrollierten Dörfern in der Region Kumanovo lebten noch immer rund 10.000 Zivilisten. Ihr Zustand sei Besorgnis erregend, weil die Zeit in den Kellern die Menschen physisch und psychisch belaste. Auf die Frage, ob die Flüchtlinge als menschliche Schutzschilde benutzt würden, sagte er, das IKRK schließe nicht aus, dass Druck ausgeübt werde. Es gebe allerdings eine starkes Gefühl der Solidarität mit den Rebellen.
In der Nacht war bekannt geworden, dass Vertreter der in Mazedonien mitregierenden Albanerparteien eine gemeinsame Erklärung mit den Rebellen der "Nationalen Befreiungsarmee" UCK unterzeichnet haben. Laut einer Meldung der mazedonischen Nachrichtenagentur MIA vereinbarten die Unterzeichnenden darin "gemeinsame Aktionen" für eine Lösung der Krise in dem Balkanstaat.
Nach ergänzenden Angaben des privaten mazedonischen Fernsehkanals A1 werden in der Erklärung Verfassungsänderungen gefordert, die der albanischen Minderheit gleiche Rechte wie den Mazedoniern einräumt und Albanisch als zweite Amtssprache vorsieht. Den Angaben zufolge unterzeichneten das Abkommen der politische Vertreter der UCK, Ali Ahmeti, sowie die Führer der Albanerparteien DPA und PDP, Arben Xhaferi und Imer Imeri.
Kritik an Verhandlungsstil des OSZE-Gesandten
Regierungsvertreter haben den Sondergesandten der OSZE-Mission, den US-Diplomaten Robert Frowick, unterdessen zum Verlassen des Landes aufgefordert. Diplomatische Kreise der Regierung in Skopje kritisierten scharf den Vermittlungsstil des US-Amerikaners. Er solle das Land noch am Donnerstag verlassen, hieß es. Frowick sei in Verhandlungen zwischen albanischen Politikern und den als "Terroristen" bezeichneten Rebellen der UCK-Gruppe beteiligt gewesen, kritisierten Regierungsvertreter. Er habe vorher schon über ein Korridor verhandelt, über den sich die albanischen Rebellen in das benachbarte Kosovo zurückziehen sollten.
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