Donnerstag, 24. Mai 2001

Diplomatische Propagandaschau

Europäer und Asiaten verfolgen ihre eigenen Interessen und ziehen dabei an einem Strang. Die EU will in Asien stärker außenpolitisches Profil zeigen, während die asiatischen Staaten, vor allem China, politische Gegengewichte zur Vormachtstellung der USA aufbauen wollen.

So empfängt China am Freitag die Außenminister der 15 Mitglieder der Europäischen Union, darunter Benita Ferrero-Waldner, die Vertreter der EU-Kommission und die Außenminister neun anderer asiatischer Staaten.

China nutzt das dritte ASEM-Treffen der Außenminister zu einer diplomatischen Propagandaschau. "Hier werden alle Register gezogen", sagte ein europäischer Diplomat. So liegt ein Schwergewicht auf dem Zeremoniellen. Auf ein "Familienfoto" der Außenminister mit Staats- und Parteichef Jiang Zemin folgen eine Rede von Außenminister Tang Jiaxuan und Empfänge durch Ministerpräsident Zhu Rongji und den obersten Außenpolitiker und stellvertretenden Ministerpräsidenten Qian Qichen.

Damit die Inhalte aber nicht gänzlich untergehen, diskutieren hohe Beamte über die Themen. Nach Angaben der Schweden, die die EU-Ratspräsidentschaft innehalten, soll dabei ein Vorschlag zur Eindämmung von Frauen- und Kinderhandel angenommen werden.

Weitere Diskussionspunkte seien die Reform der Vereinten Nationen, Friedensmissionen, Nordkorea und andere Regionalkonflikte, die Globalisierung, die Welthandelsorganisation sowie das internationale Verbrechen. Die Veränderungen in Europa - wie die geplante Ausweitung der EU oder die künftige gemeinsame europäische Währung - haben Europa in Asien mehr Gewicht gegeben, meinte EU-Außenkommissar Chris Patten. "Eine echte gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik ist schneller entstanden, als irgendwer vor fünf Jahren erwartet hätte."

24.5.2001 09:28