Der "Dobermann" als Volksanwalt

Zwei Jahre war er in der NÖ-Landesregierung. Jetzt wechselt Ewald Stadler (FPÖ) in die Volksanwaltschaft. Im Parlament nannte man ihn "Dobermann" wegen seines forschen Auftretens.
Nach nur zwei Jahren in der NÖ-Landesregierung wird der FPÖ-Politiker Ewald Stadler (40) nun in die Volksanwaltschaft wechseln. Die Übersiedlung von der Spitze des FPÖ-Parlamentsklubs in die Landespolitik kam im April 1999 für die Öffentlichkeit ebenso überraschend wie seine heutige Nominierung als Volksanwalt.
Nun ist das Volksanwaltschafts-Trio komplett
Im Lauf des Nachmittages wird im ÖVP-Klub noch die Wahl der Abgeordneten Rosemarie Bauer (56) besiegelt - sie war im ÖVP-Bundesvorstand vergangene Woche jedoch schon nominiert worden. Die SPÖ hatte sich bereits Ende April für den bisherigen Klubobmann Peter Kostelka (55) ausgesprochen.
Als "Dobermann" im Parlament
Als FPÖ-Klubobmann hatte er wegen seines forschen Auftretens im Parlament den Spitznamen "Dobermann" erhalten. In den letzten beiden Jahren als Landesrat für Wasserrecht und Abwasserwirtschaft war es um Stadler in der Öffentlichkeit ruhiger geworden. Erst in der Spitzelaffäre ist er wieder - lautstark - in der Öffentlichkeit aufgetreten.
Umstrittener Stadler
Stadler gilt auch als innerparteilicher Kritiker der neuen Parteiobfrau Susanne Riess-Passer und der Regierungspolitik. Nach der Wahlniederlage in Wien meinte er, die FPÖ habe zwölf Monate lang mit sozialer Treffsicherheit Gruppen getroffen, die zu ihren Kernwählern gehörten, die Partei erinnere fatal an eine Uralt-Partei. Angesichts der niederösterreichischen Landtagswahlen 2003 droht Stadler: "Wir werden sicher nicht untätig zusehen, wenn man nach und nach alle Zielgruppen der FPÖ vergrault."
In Ungnade fiel Stadler bereits vor zwei Jahren, als bekannt wurde, dass er persönlich - entgegen der Vorgabe des damaligen Parteichefs Jörg Haider - nicht für das neue System der Politikerpensionen optiert hatte. Vor vier Jahren hatte Stadler in der Partei zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen, als er der FPÖ ein allzu christlich geprägtes Parteiprogramm verpassen wollte. Viele Passagen - wie etwa die Formulierung vom "wehrhaften Christentum" - wurden schließlich entschärft. Auch seine Nähe zum umstrittenen St. Pöltner Bischof Kurt Krenn - Stadler ist Mitbegründer des erzkonservativen "Katholischen Clubs" - war innerhalb der FPÖ ebenfalls auf massive Kritik gestoßen.
Stadler wurde am 21. Mai 1961 in Mäder in Vorarlberg geboren. Nach dem Besuch der Handelsschule absolvierte er die Maturaschule. Bereits während des Studiums der Rechtswissenschaften in Innsbruck, das er 1990 mit dem Magisterium abschloss, begann seine politische Laufbahn in der FPÖ, zunächst ab 1985 im Gemeinderat seiner Heimatgemeinde Mäder. Von 1989 bis 1994 war er Abgeordneter im Vorarlberger Landtag. Vom 7. November 1994 bis 28. April 1999 saß er im Nationalrat.
Im Zuge der Causa Rosenstingl war Stadler am 27. Juni 1998 des Vorjahres zum stellvertretenden Landesobmann der FP-NÖ gewählt worden. In dieser Funktion wurde er auch im Vorjahr beim Parteitag bestätigt. Als Landesrat folgte er 1999 auf Hans-Jörg Schimanek.
Stadler wohnt in Etsdorf bei Krems (NÖ), ist verheiratet und Vater von drei Kindern.
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