"Viele Daten beruhen auf Fehleinschätzung"

Diskussion
Greenpeace bezeichnet den Nachtrag zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für Temelin als "völlig ungenügend". Temelin-Gegener zelten aus protest bis Dienstag am Ballhausplatz.
Die von der österreichischen Regierung zu beurteilenden Unterlagen des tschechischen Industrieministeriums zu einer möglichen Nicht-Inbetriebnahme des Kraftwerks seien völlig veraltet und bereits vor zwei Jahren vorgelegt worden, kritisierte die Umweltorganisation am Montag in einer Aussendung.
Die Unterlagen seien Teil jenes Berichts an die tschechische Regierung, der am 12. Mai 1999 zum Beschluss Prags geführt habe, Temelin fertigzustellen. "Wie wir erwartet haben, dürfte es sich bei den nachgelieferten Unterlagen um einen Husch-Pfusch-Nachzipf zur gescheiterten UVP handeln", sagte Franko Petri, Pressesprecher von Greenpeace Österreich. Die Organisation fordert den sofortigen Abbruch der UVP-Verhandlungen nach dem Scheitern des so genannten "Melker Prozesses" und die Aufnahme von Ausstiegsverhandlungen auf EU-Ebene. In Melk war zwischen Tschechien und Österreich vergangenen Dezember eine Gesamt-UVP für das Kraftwerk vereinbart worden.
Der nachgereichte Bericht beruht laut Greenpeace vor allem auf Daten der tschechischen Energiegesellschaft CEZ, die Temelin fertig stellen will. Damals sei der Gesamtbericht auch vom tschechischen Präsidenten Vaclav Havel kritisiert worden. "Inzwischen hat sich auch herausgestellt, dass viele Daten aus diesem Bericht auf Fehleinschätzungen und viel zu optimistischen Zahlen beruhen", sagte Jan Haverkamp, Atom-Experte von Greenpeace Tschechien.
Greenpeace begrüßte die Proteste der Temelin-Gegner auf dem Ballhausplatz und rief die österreichische Bundesregierung auf, die "Propagandaunterlagen" des tschechischen Industrieministeriums zurückzuweisen und den "Melker Prozess" für beendet zu erklären.
Gezeltet wird bis Dienstag
Mit Zelten und Transparenten haben die zwei Umweltorganisationen auf dem Ballhausplatz ein "Anti-Temelin-Aktionslager" aufgebaut. Laut ihrer Aussendung wollen sie auf alle Fälle bis Dienstag nach dem Ministerrat ausharren. "Diesmal blockieren wir keine Grenze, sondern tragen unseren Protest nach Wien", erklärte Pühringer.
Die Umweltorganisationen kritisierten überdies den Sicherheitsbericht zu Temelin. In der Kommission, die den Sicherheitsbericht ausarbeiten soll, gebe es Unstimmigkeiten. Die Umweltschützer befürchteten, dass wichtige sicherheitstechnische Themen nicht adäquat untersucht würden, so Veithen und Pühringer abschließend.
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