Dienstag, 15. Mai 2001

CANNES-SPEZIAL

Kaum Beifall, dafür lautstarke Buhrufe erntete die österreichisch-französische Koproduktion "Die Klavierspielerin" bei der ersten Presseführung Sonntag Abend in Cannes.

Michael Hanekes Verfilmung des Romans von Elfriede Jelinek, Österreichs Wettbewerbsbeitrag im Kampf um die Goldene Palme der Filmfestspiele, enttäuschte die hohen Erwartungen der internationalen Presse.

Fadesse durch Überlänge?
Der mit 2 Stunden 10 Minuten überlange Film hängt streckenweise durch. Haneke baut die Geschichte der nur ihrer musikalischen Leistung wegen geliebten Tochter, die ihre unerfüllten Wünsche in sado-masochistischen Ritualen kompensiert, sehr langsam auf. Die Figur der Klavierspielerin (Isabelle Huppert) bleibt lange zu eindimensional, hinter ihrer kalten Fassade sind die Sehnsüchte höchstens erahnbar und auch die langen Sequenzen, in denen die Musik die Hauptrolle spielt, vermögen keine emotionelle Gegenwelt herzustellen.

Rückschlag für österreichische Hoffnung auf Goldene Palme
Isabelle Huppert und Annie Girardot als Darstellerinnen einer krankhaft-symbiotischen Mutter-Tochter-Beziehung und der "Klavierschüler" Benoit Magimel sind ein präsentes, durchaus auch streckenweise komisches Trio, bei dem vor allem Magimel zu überzeugen vermag. Hanekes Realismus verdichtet dagegen kaum, bleibt gefährlich nahe an der Normalität und Banalität und findet kaum überhöhte Bilder für das beklemmende Doppelleben der "Klavierspielerin".

15.5.2001 09:14