Sonntag, 20. Mai 2001

Schaden für Staat und ausländische Aktionäre

Vorstandsmitglieder und Manager des russischen Gasprom-Konzerns verschieben mit Tarnfirmen systematisch Konzernbeteiligungen an Freunde und Verwandte.

Die Töchter des Vorstandschefs Rem Wjachirew und seines Stellvertreters sowie ein Sohn des langjährigen Ministerpräsidenten und Ex-Gaspromchefs Viktor Tschernomyrdin sicherten sich eine Moskauer Firma, die über eine hundertprozentige Tochterfirma ein Zehntel des russischen Gasexports nach Ungarn kontrolliert. Dies gehe aus notariell beglaubigten, von der Moskauer Handelskammer registrierten Kaufverträgen hervor.

Das russisch-ungarische Gemeinschaftsunternehmen importiere bis zum Jahr 2015 Gasprom-Erdgas nach Ungarn und werde dabei voraussichtlich bis zu 23 Milliarden Dollar (345 Milliarden Schilling/26,81 Millarden Euro) umsetzen.

Die Rekonstruktion dieser und anderer Geschäfte lege nahe, dass Gasproms Manager - wie die Direktoren der Sowjetzeit - die Firma als Selbstbedienungsladen ansähen und Russlands reichstes Unternehmen ungestraft ausplündern könnten zum Schaden des Staates, dem 38 Prozent an Gasprom gehören. Geschädigt würden auch ausländische Aktionäre wie die deutsche Ruhrgas, die fünf Prozent an Gasprom halte und weitere Anteile erwerben wolle.

"Analysten schätzen, dass bei Gasprom jedes Jahr zwei bis drei Milliarden Dollar durch Korruption, Vetternwirtschaft und schlichten Diebstahl verschwinden", so der ehemalige Finanzminister Boris Fjodorow, den Minderheitsaktionäre im Sommer 2000 gegen den Widerstand der Firmenleitung in den Gasprom-Aufsichtsrat wählten.

20.5.2001 17:07