Donnerstag, 17. Mai 2001

Firmen wandern bereits aus Österreich ab

Die Bauwirtschaft warnt: "Der Wirtschaftsstandort Österreich ist gefährdet." Die öffentlichen Investitionsbudgets für Infrastruktur werden laufend ausgedünnt, was im Verkehrsnetz bereits die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs gefährdet.

Nach Informationen von Horst Pöchhacker, Porr-Generaldirektor und Präsident der VIBÖ, lagern bereits Betriebe aus Österreich aus. Wenn Firmen abwandern, bringt das Einnahmenverluste auch fürs Budget. Pöchhacker warnte heute vor einem Finanzkollaps im gesamten Infrastrukturbereich.

"Patient Infrastruktur" liegt im Koma
Eine gut ausgebaute Infrastruktur ist heute entscheidender Faktor im Wettbewerb der Regionen um Firmenansiedlungen. Setzt Österreich seine Sparpolitik zu Lasten der Investitionen fort, ist der Wirtschaftsstandort Pöchhacker zufolge massiv gefährdet.

Viele Länder Europas hatten dies rechtzeitig realisiert und in den vergangenen Jahren ihre Infrastrukturinvestitionen forciert: Im EU-Schnitt sind die Verkehrsinfrastrukturinvestitionen von 1985 bis 1996 um rund 50 Prozent erhöht worden, während in Österreich diese Investitionen im gleichen Zeitraum um 18 Prozent zurückgenommen haben. Dieser Trend hat sich seit 1996 fortgesetzt, kritisierte der Vorsitzende der Vereinigung Industrieller Bauunternehmen Österreichs (VIBÖ) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Höchste Zeit für Kurskorrektur
Für Pöchhacker ist es höchste Zeit, eine Kurskorrektur vorzunehmen. Es sei schon sehr spät. Positive Wirkungen zeitigen Investitionen in den Straßenbau fünf Jahre nach Baubeginn, beim Bahnstreckenbau erst in zehn Jahren. "Wird jetzt gehandelt, ist in fünf Jahren ein Tiefpunkt erreicht und die Krise überwunden. Wenn nichts passiert, droht in zehn Jahren ein echtes Debakel."

Pöchhacker sprach von einem mittelfristig drohenden Finanzkollaps im gesamten Infrastrukturbereich, sollte der bisherige Weg budgetkosmetischer Hilfskonstruktionen mit laufender Reduktion der Investition fortgesetzt werden. Dem Bund hielt Pöchhacker im übrigen vor, Kompetenzen in der Verkehrsinfrastrukturpolitik zu verlieren, zum einen in Richtung Brüssel, zum anderen in Richtung Länder.

Die Bauindustrie bekommt eine mangelhafte Infrastrukturpolitik als erste zu spüren: Im Jahr 2000 sind die Umsätze im Straßenbau österreichweit um 6 Prozent zurückgegangen, im Eisenbahnbau um mehr als 5 Prozent. Das öffentliche Bauvolumen belief sich im Vorjahr auf 49,3 Mrd. S (3,58 Mrd. Euro). Damit ist der öffentliche Anteil an der gesamten Bauproduktion um 1,5 Prozentpunkte auf "magere" 35,7 Prozent geschrumpft. Wenn nun wegen der Konjunkturschwäche auch noch die Privaten ausliefen, sei wieder eine deutlich höhere Bauarbeitslosigkeit zu erwarten.

Im heimischen Bauwesen ist im Jahresschnitt 2000 die Gesamtbeschäftigung um rund 2 Prozent (absolut: 5.000 Beschäftigte) zurückgegangen. Im ersten Quartal 2001 folgte nochmals ein markanter Rückgang um 4 Prozent oder absolut 9.000 Beschäftigte.

17.5.2001 11:55