Samstag, 19. Mai 2001

SPEZIAL: DER BENZINPREIS-WAHN

Umfrage

Die heimischen Benzinpreise erleben nach dem Benzinpreisgipfel im Wirtschaftsministerium ein Auf und Ab. Während der ARBÖ eine generelle Anhebung um bis zu 30 Groschen verzeichnete, sah der ÖAMTC einige Preissenkungen und weiterhin niedrige Preise an den Diskonttankstellen.

Die Tatsache, dass OMV und BP am Donnerstag am Rande des Benzinpreisgipfels im Wirtschaftsministerium dennoch eine ausdrückliche Erhöhung der Treibstoffpreise kommuniziert haben, sei daher "als Muskeln-Spielen-Lassen der Mineralölwirtschaft" zu sehen.

Auch der ARBÖ zeigte sich überrascht. "Wir würden uns freuen, wenn die Mineralölwirtschaft künftig alle ihre Preisbewegungen an die Konsumenten so detailliert weiterkommunizieren würde. Information ist alles", meinte ARBÖ-Sprecher.

Autofahrer empört: "Eine Provokation!"
Bei den Konsumenten scheint die Machtedomonstration der Mineralölwirtschaft jedoch nicht gewirkt zu haben. Der einhellige Tenor der unzähligen Anrufe, die den Autofahrerklubs diesbezüglich eingingen: "Diese Erhöhung können wir Autofahrer nur als Provokation empfinden".
Merten erwiderte, Österreich liege bei den Nettopreisen für Benzin ohne Abgaben und Steuern im europäischen Durchschnitt.

Seit Jahresbeginn sind die Preise für Eurosuper um 1,25 S, für Normalbenzin um 1,3 S und für Super-Plus um 1,5 S gestiegen. Die jüngste Erhöhung der Höchstpreise am Montag der Vorwoche bedeutete bereits die neunte Verteuerung bei Benzin in diesem Jahr. Auch Diesel liegt mit 11,45 S fast am Höchstwert von 11,60 S zu Jahresbeginn 2001.

Die beiden Autofahrerclubs forderten heute erneut ein rasches Eingreifen von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. Es müsse nun rasch zu einem weiteren Treffen im Wirtschaftsministerium kommen. Erreicht werden soll, dass die Netto-Treibstoffpreise noch vor Beginn des Sommerreiseverkehrs um 15 bis 20 Groschen an das EU-Niveau angenähert werden sollen.

Derzeit gilt noch eine Zusage der OMV an den Wirtschaftsminister aus dem vergangenen Jahr, nachdem die Nettopreise für Eurosuper und Diesel in Österreich nicht mehr als 40 Groschen über den EU-Durchschnitt angehoben werden.

Autoklubs fordern schrittweise Absenkung der Spritpreise
Beim letzten größeren Benzinpreisgipfel im September 2000 hatte die OMV Wirtschaftsminister Martin Bartenstein unbefristet zugesagt, die Nettopreise für Eurosuper und Diesel in Österreich nicht mehr als 40 Groschen über den EU-Durchschnitt anzuheben. Die Autofahrerclubs treten nun für eine schrittweisen Absenkung der Kraftstoffpreise auf EU-Niveau ein.

Vergleicht man die österreichischen Nettopreise zum EU-Durchschnitt für das Jahr 2001, lag die Nettodifferenz beim Eurosuper insgesamt acht Mal unter 30 Groschen bzw. ein Mal unter 20 Groschen. Beim Diesel lag die Nettopreisdifferenz sieben Mal unter 30 Groschen und sogar sechs Mal unter 20 Groschen. Die niedrigste Nettopreisdifferenz war heuer bei Eurosuper mit 18 Groschen und bei Diesel mit nur 9 Groschen über dem EU-Durchschnitt verzeichnet worden.

Daran sei zu erkennen, dass die österreichische Mineralölwirtschaft ihre Preise tatsächlich nicht mehr 40 Groschen über dem EU-Mittel halten müsse, um wirtschaftlich zu agieren. Die Mineralölwirtschaft wolle sich lediglich eine "Hintertüre" offen halten, um die Preise vor Spitzentagen beim Verbrauch anheben zu können, kritisierte ARBÖ-Generalsekretär Heller.

Mineralölfirmen verzeichnen Rekordgewinne
Die AK erinnert erneut an die Rekordgewinne und -dividenden der Mineralölfirmen. Diese zeigten, dass ein Spielraum für Preissenkungen gegeben sei. Sollte seitens des Wirtschaftsministers nichts passieren, überlege man sich daher einen Antrag auf Preisregelung, so AK-Energieexpertin Gunda Kirchner.

19.5.2001 10:25