Mittwoch, 16. Mai 2001

Haushaltsenergie stärkster Preistreiber in Österreich

Die Inflation in der Euro-Zone ist im April mit 2,9 Prozent erneut auf eine Rekordmarke gestiegen. Diesen Stand hatte die Preissteigerung in den zwölf Euro-Ländern zuletzt im vergangenen November erreicht; es war der höchste Wert seit Einführung der Gemeinschaftswährung.

Dies teilte das EU-Statistikamt Eurostat am Donnerstag in Brüssel mit. Vor einem Jahr lag die jährliche Inflationsrate bei 1,9 Prozent. In der gesamten Union stieg der Preisauftrieb von 2,3 Prozent im März auf 2,6 Prozent im April.

Österreich verbuchte gemeinsam mit dem Vereinigten Königreich (1,1 Prozent) und Frankreich (2,0 Prozent) die niedrigste Inflation. Die höchsten Teuerungsraten verzeichneten im April die Niederlande (5,3 Prozent), Portugal (4,6 Prozent) und Irland (4,3 Prozent).

Das selbstgesteckte Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die Preissteigerung bei zwei Prozent zu halten, wurde laut AFP damit erneut deutlich verfehlt. Die EZB hatte erst vor einer Woche mit Blick auf die schwächelnde Konjunktur ihre Leitzinsen überraschend um einen Viertel Prozentpunkt gesenkt. EZB-Präsident Wim Duisenberg hatte den Schritt mit dem nachlassenden Druck auf die Verbraucherpreise in der Euro-Zone begründet.

Verbraucherpreisindex April in Österreich deutlich gestiegen
Im Jahresabstand legte die Teuerungsrate auf 2,9 Prozent zu, nach 2,7 Prozent im März und 2,6 Prozent im Februar. Damit ist die Inflation wieder fast so hoch wie zu Jahresbeginn (Jänner 3,0 Prozent). Der VPI (2000=100) erreichte im April einen Stand von 102,4.

Haushaltsenergie stärkster Preistreiber
Ein Viertel der Inflationsrate wird nach Angaben der Statistik Austria vom Mittwoch durch den Bereich Wohnen verursacht, in dem auch die Haushaltsenergie enthalten ist: Strom war im April um 8 Prozent teurer als vor einem Jahr, Gas sogar um 17 Prozent, flüssige Brennstoffe um 10 Prozent, Fernwärme um 5 Prozent. Zusammen verursachen diese Energie-Bereiche ein Achtel der Inflationsrate.

Obst und Fleisch teurer
Ein weiteres Drittel verursachen Verkehr und Nahrungsmittel. Bei Ernährung wurden vor allem Obst (+8 Prozent) und Fleisch teurer (Schweinefleisch +12 Prozent im Jahresabstand, Geflügel +7 Prozent). Alkoholische Getränke ermittelte die Statistik Austria um 4 Prozent teurer, Spirituosen sogar um 13 Prozent.

Sektor Verkehr: aktuelle Preiserhöhungen noch nicht enthalten
Im Sektor Verkehr waren die Verkehrsabgaben (Kfz-Steuer und Autobahnvignette) hauptverantwortlich für den Inflationsbeitrag, während die Preise für Treibstoffe und Schmiermittel im April nur geringfügig höher als vor einem Jahr waren (+1 Prozent). Die zuletzt erfolgten Preiserhöhungen sind darin naturgemäß nicht enthalten.

Höhere Inflation bei EU-Verbraucherpreisindex
Die Inflationsrate des für die Europäische Währungsunion zu berechnenden Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) lag im April mit 106,8 (1996=100) mit 2,5 Prozent im Jahresabstand neuerlich unter dem VPI-Anstieg, aber laut Statistik Austria deutlich höher als zuletzt. Im März hatte der HVPI im Jahresabstand um 1,9 Prozent zugelegt, im Februar um 1,8 Prozent, im Jänner 2,2 Prozent.

Die Ursache für den 2,5-prozentigen HVPI-Anstieg im April - und für die Verringerung der Differenz zum VPI - liegt laut Statistik Austria hauptsächlich im höheren Gewicht im Tourismusbereich.

Flugtickets um 17% teurer
Im heimischen VPI gab es im April gegenüber dem Vormonat März eine deutliche Steigerung des allgemeinen Preisniveaus um 0,4 Prozent. Der größte Einzelbeitrag resultierte dabei aus Verteuerungen bei Flugtickets (+17 Prozent). Auch Pauschalreisen wurden teurer (Flugpauschalreisen +2 Prozent, Städteflüge +6 Prozent), was jedoch in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass der April-Stichtag in der Karwoche zu liegen kam. Dieser Stichtagseffekt führte auch im VPI im Jahresabstand zur Addition von geringfügigen Erhöhungen, da etwa Pauschalreisen und Hotels ein etwas höheres Preisniveau aufwiesen.

16.5.2001 16:57