Mittwoch, 16. Mai 2001

Weitere Zinssenkung bis Ende Juni wahrscheinlich

Die US-Notenbank Fed hat am Dienstag erwartungsgemäß zum fünften Mal in diesem Jahr die Leitzinsen um 50 Basispunkte gesenkt. Der Schritt wurde mit den weiter bestehenden Abwärtsrisiken für die US-Konjunktur begründet. Intern. Die internationalen Börsen hat diese Maßnahme am Mittwoch kaum beflügelt.

Fast alle europäischen Aktienmärkte verzeichneten bis zum Nachmittag Verluste. In New York reagierte die Wall Street zu Handelsbeginn mit geringen Kursveränderungen auf den Zinsschritt der US-Notenbank Fed. Die asiatische Leitbörse in Tokio gab deutlich nach.

Die US-Währungshüter hatten am Dienstag den Satz für Tagegeld um einen halben Punkt auf 4 Prozent zurückgenommen. Damit liegt er so niedrig wie seit sieben Jahren nicht mehr.

Deutschland
Die deutschen Standardwerte zeigten sich schwach. Auch am Frankfurter Aktienmarkt hofften Anleger vergeblich, dass die Senkung der US-Zinsen den deutschen Handel auf Trab bringt. Der Leitindex DAX fiel bis zum Mittwochmittag um 1,2 Prozent auf 5.995,06 Punkte. Die 30 DAX-Werte präsentierten sich bis zum Nachmittag überwiegend im Minus. Am Neuen Markt sank der NEMAX 50 um 1,84 Prozent auf 1.684 Zähler.

US-Markt
In den USA eröffnete die New Yorker Wall Street mit leichten Einbußen. Im Vergleich zum Schlusskurs des Vortages sank der Dow-Jones-Index kurz nach Handelsbeginn um 0,2 Prozent auf 10.853 Zähler. Die Technologiebörse NASDAQ Composite verlor 0,5 Prozent auf 2.074 Punkte. Am Tag der Fed-Entscheidung war der Dow mit einem leichten Minus aus dem Handel gegangen, während der NASDAQ etwas zulegte.

Tokio und Hongkong
In Tokio schloss die asiatische Leitbörse am Mittwoch schwach. Der Nikkei-Index sank um 2,6 Prozent und ging mit 13 694 Zählern aus dem Markt. Die US-Zinssenkung hat nur geringen Einfluss gehabt, sagten auch hier Börsianer. Die Hongkonger Börse schloss ebenfalls im Minus.

Analysten sehen den Grund für den schwunglosen Handel nach dem US-Zinsschritt in der eher pessimistischen Begründung der Fed für die Senkung. Das Risiko schwacher Wachstumsaussichten besteht weiter, hatte der US-Offenmarktausschuss am Vortag mitgeteilt. Deshalb halten Händler eine weitere Zinssenkung bis Ende Juni für wahrscheinlich.

US-Notenbankchef Alan Greenspan hat mit seinem Schritt die Zinsen in diesem Jahr so schnell gesenkt wie nie zuvor. Im Jänner lag die Rate noch bei 6,5 Prozent. Kritiker hatten ihm vorgeworfen, im vergangenen Jahr nicht früh genug auf erste Anzeichen einer Wachstumsverlangsamung reagiert zu haben. Von Juni 1999 bis Mai 2000 hatte Greenspan die Zinsen noch um 1,75 Prozentpunkte erhöht, um einer Überhitzung der Wirtschaft vorzubeugen.

Die mächtigste Notenbank der Welt nannte als ungünstige Faktoren für die Konjunkturentwicklung den Rückgang der Kapitalinvestitionen und die fehlende Zuversicht der Unternehmer in Hinblick auf die Zukunft. Zudem könnten die Kurseinbrüche an den Börsen Verbraucher von Käufen abhalten. Die US-Wirtschaft hat sich nach einem fast zehnjährigen Boom Ende 2000 erheblich abgekühlt.

Euro reagierte kaum auf US-Zinssenkung
Der Euro hat auf die erwartete US-Leitzinssenkung kaum reagiert. Rund eine Viertelstunde nach Veröffentlichung des Fed-Entscheids notierte die Gemeinschaftswährung gegen 20.30 Uhr MESZ mit 0,8782/85 Dollar, kurz danach - um 20.40 Uhr MESZ - um die 0,8791 US-Dollar.

16.5.2001 17:59