Maßnahmen zur Revitalisierung der Wiener Börse

Reformen und Maßnahmen zur Steigerung der Liquidität sind für die Wiener Börse dringend notwendig. Denn für den heimischen Aktienmarkt ist es bereits "5 vor 12". Ein "Kapitalmarkt-Champion" soll zusammen mit anderen Maßnahmen die Börse wieder auf Trab bringen.
Aussagen, wonach der Wiener Börse eine "Zukunft" als Österreich-Fenster an der Frankfurter Börse blüht, sind eine "Fehleinschätzung". Das sagte die Geschäftsführerin der Boston Consulting Group (BCG), Antonella Mei-Pochtler. Sie präsentierte heute auf Basis einer BCG-Studie auch Vorschläge, wie dieses Negativ-Szenario vermieden werden könnte.
Grasser-Offensive: Kapital-Guru und Ostkooperation
Ein "Kapitalmarkt-Champion" soll zusammen mit weiteren Maßnahmen die Wiener Börse wieder auf Trab bringen. Eine kompetente Person aus Hochpolitik und Wirtschaft soll den österreichischen Kapitalmarkt nach außen hin konkret sichtbar machen, kündigte Finanzminister Karl-Heinz Grasser bei einer Pressekonferenz heute, Dienstag, in Wien an.
Weiters soll es möglicherweise schon ab Herbst eine strategische Kooperation der Wiener Börse mit den Aktienmärkten in Ungarn, Tschechien, Polen, der Slowakei und Slowenien geben.
Hinsichtlich einer solchen Kooperation hat es bereits "eine Reihe guter Gespräche" gegeben, sagte Grasser. Statt einer Summe von Einzelspielern wäre eine Kooperation sinnvoll. Möglichst bis zum Herbst sollte die Zusammenarbeit konkreter sein. All diese Länder haben kaum funktionierende Börsen, sagte Grasser, der in diesem Zusammenhang die Wiener Börse nicht beurteilen wollte.
Wer die Funktion eines "Kapitalmarkt-Champion" übernehmen soll, steht noch nicht fest. Nach Grassers Vorstellung soll diese Aufgabe ehrenamtlich sein, es soll ihr aber Infrastruktur des Finanzministeriums zur Verfügung stehen. Es muss eine Autorität mit ausreichender Kapitalmarkterfahrung sein, so das Anforderungsprofil.
Börsepläne für BIG
Grasser kann sich einen Börsegang der bundeseigenen Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) über die Wiener Börse vorstellen. Das sollte einen weiteren wichtigen Anstoß zur Belebung der Wiener Börse darstellen. Für Details ist es noch zu früh. Er kann sich vorstellen, dass eine Beteiligung an der BIG mit ihren zahlreichen Immobilien in erstklassiger Lage auf großes Interesse in der Bevölkerung stoßen wird, so Grasser.
Die Vorstände der Wiener Börse, Stefan Zapotocky und Erich Obersteiner, betonten, die Wiener Börse hat das in ihrer Macht stehende getan, jetzt müssen auch die übrigen Entscheidungsträger aktiv werden und gemeinsame Anstrengungen zu einer Steigerung der Liquidität und Attraktivität des heimischen Kapitalmarkts unternehmen.

