Dienstag, 15. Mai 2001

EU-Kommission über Star Alliance: "Flüge werden teurer"

Die EU-Kommission hat die Fluggesellschaften Austrian Airlines (AUA) und die deutsche Lufthansa (LH) am Dienstag verwarnt: Mit ihrem geplanten Partnerschaftsabkommen Star Alliance schalten sie den freien Wettbewerb auf zahlreichen direkten Flugverbindungen zwischen Österreich und Deutschland aus. Damit haben die Flugpassagiere laut EU-Kommission keine Auswahl unter den Fluggesellschaften und müssen mit höheren Preisen rechnen.

Die EU-Kommission übermitteltedie beiden Gesellschaften am Dienstag eine Liste von Beschwerdepunkten.

Frist: Abkommen muss geändert werden
Die Brüsseler Wettbewerbshüter räumen den beiden Airlines zwei Monate Zeit ein, um das Abkommen abzuändern. Andernfalls droht die EU-Kommission damit, dem Beitritt zur Star Alliance durch die AUA kein grünes Licht zu geben.

Die AUA wies darauf hin, dass sich bisher - trotz intensiver Suche - kein Mitbewerber auf den Strecken zwischen Deutschland und Österreich gefunden hat.

AUA und LH: beherrschen 100% des Marktes
Tritt die Star Alliance-Partnerschaft in ihrer derzeitigen Form in Kraft, werden AUA und Lufthansa laut EU-Kommission gemeinsam beinahe 100 Prozent der 33 direkten Verbindungen zwischen Deutschland und Österreich beherrschen. Straße oder Schiene sind nur begrenzt wettbewerbsfähig.

Treue-Rabatte für Kunden, wenige Start- und Landerechte auf den größten Flughäfen und die zahlreichen von beiden Gesellschaften angebotenen Flugverbindungen erschweren anderen Fluglinien auf diesem Markt Fuß zu fassen.

Österreichische Tourismusbranche beschwert sich
Aktiv wurde die EU-Kommission auf Grund zahlreicher Beschwerden privater Kunden und des österreichischen Tourismusgewerbes, das insbesondere die hohen Preise für Wien-Flüge beanstandet.

AUA und Lufthansa hatten das Kooperationsabkommen im Dezember 1999 bei der EU-Kommission angemeldet und um eine Freistellung von den EU-Wettbewerbsvorschriften ersucht. Das Abkommen umfasst die Passagierbeförderung, Wartungsarbeiten, Flughäfen-Infrastrukturen und Transit-Dienstleistungen. Beide Seiten vereinbarten, Tarife und Flugpläne weltweit aufeinander abzustimmen.

Die EU-Kommission untersucht auch ein ähnliches Abkommen der AUA mit der skandinavischen Airline SAS auf Wettbewerbsbeschränkungen. Auch in diesem Fall übermittelte sie am Dienstag ein Beschwerdeschreiben.

15.5.2001 17:29