"Wäsche aufhängen" ist in Kalifornien oft verboten

Für die einen ist es ein Schandfleck, der nicht in den "Goldenen Staat" Kalifornien passt. Für die anderen ist es die beste und billigste Methode, Strom zu sparen. In dem von einer Energiekrise gebeutelten US-Bundesstaat erhitzen sich die Gemüter an einem Haushaltsgegenstand, der in den USA eigentlich fast ausgestorben ist: die Wäscheleine.
Wäscheleinenverbot
Vielerorts ist sie sogar verboten. Um das Schönheitsempfinden der Westküstenbewohner nicht zu verletzten, ist das Aufhängen von Wäsche in vielen Siedlungen nicht erlaubt. Der Amerikaner denkt bei Wäscheleine gleich an "Slums" und "Graffiti", sagt der Präsident des kalifornischen Hausbesitzerverbandes, Richard Monson. Er betreut viele der 35.000 Siedlungen, die von einer Mauer umgeben und nur durch ein Tor zu betreten sind. Rund sieben Millionen Menschen leben in solchen Domizilen.
Wäscheleine bedeutet Wertminderung
Monson meint, der Wert eines Hauses sinkt glatt um 15 Prozent, wenn in der Nachbarschaft Wäsche auf der Leine flattert. Deshalb ist das öffentliche zur Schau stellen von Wäsche verboten. Schließlich hat ja jeder Amerikaner einen Wäschetrockner. Und darin wird die Wäsche außerdem "viel weicher und schöner" als unter der "aggressiven" kalifornischen Sonne.
Argument: Strom sparen
Tom und Mina Caulfield denken bei Wäscheleine nicht an "Slums", sondern ans "Strom sparen". Als ihre Stromrechnung im Frühjahr drastisch hochschnellte, kaufte sich das pensionierte Professorenehepaar aus Berkeley als erstes Wäscheklammern und eine Schnur. Zum ersten Mal seit 30 Jahren stellten sie den elektrischen Trockner ab und hängen nun zwei Mal in der Woche ihre Wäsche draußen auf. Das spart rund 20 Prozent der Kosten, rechnet Mina Caulfield vor. Noch haben sich die Nachbarn nicht über den Anblick beschwert.
In einem vornehmen Apartmenthaus in San Francisco schauen die Bewohner dumm aus der Wäsche, falls sie sie auf ihrem Balkon aufhängen wollen. Das ist nicht erlaubt, meint Hausmanager Dan Barrett, "denn wer weiß, was sie sonst noch alles tun würden". Hängematten und Flaggen wären vielleicht das Nächste, dann lieber gleich alles verbieten.
Wäscheleinen ständig ausverkauft
Doch die Zahl der Frischluft-Trockner steigt. Viele Haushaltswarenhändler können die Nachfrage nach Wäscheleinen kaum noch befriedigen. "Kaum kommt der Nachschub, sind sie schon wieder ausverkauft", sagt Ladenbesitzer Gary Siegrist. Er hat weitere Bestellungen aufgegeben. Im Sommer, wenn die Klimaanlagen auf Hochtouren und die Stromrechnungen gänzlich aus dem Ruder laufen, könnten noch viele die Wäsche auf der Leine ziemlich "cool" finden.

