Freitag, 18. Mai 2001

Lufthansa verteidigt ihr 10,6 %-Angebot

Wie es scheint, ist bei den Lufthansa-Streiks keine Bewegung in Sicht. "Wir sind im Anfangsstadium der Eskalation.", meint Vorstand der Pilotenvereinigung Tarp. Falls keine Verhandlungspartei einlenkt, könnte es zu unangekündikten Streiks kommen.

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Lufthansa bleiben die Fronten vor der für Montag geplanten Wiederaufnahme der Tarif-Verhandlungen hart. Wenn die Lufthansa den Piloten am Montag nicht entgegenkomme, werde weiter gestreikt, sagte der Vorstand der Pilotenvereinigung Cockpit (VC), Michael Tarp am Freitag in Neu- Isenburg. "Wir sind erst im Anfangsstadium der Eskalation. Wir haben noch ganz andere Möglichkeiten."

Cockpit-Sprecher Georg Fongern zeigte sich optimistisch über den Fortgang der Verhandlungen, verlangte von der Lufthansa aber ein verbessertes Angebot. "Wenn es von vornherein nur ein Kaffeekränzchen sein wird, werden wir zu nicht angekündigten Streiks übergehen." Die Lufthansa verteidigte ihr Angebot an die Piloten in ganzseitigen Zeitungsanzeigen.

781 Flüge mussten abgesagt werden
Die Auswirkungen des zweiten 24-stündigen Streiks am Donnerstag waren noch am Tag danach zu spüren. Deutschlandweit mussten weitere 52 Flüge abgesagt werden, einige Flüge am Vormittag waren verspätet. Bis zum Mittag hatte sich der Flugverkehr nach Lufthansa-Angaben jedoch wieder normalisiert. Am Donnerstag wurden nach Angaben von Cockpit 781 der geplanten 1.048 Flüge abgesagt, 214 waren verspätet. Dazu kamen Ausfälle und Verspätungen bei Condor und Lufthansa-Cargo. Cockpit wertete den Streik als "vollen Erfolg". Von einer bröckelnden Streikfront könne keine Rede sein.

Instrumentalisiert die Lufthansa ihr Bodenpersonal
Die Pilotenvereinigung übte scharfe Kritik an einer "Gegendemonstration" des Lufthansa-Bodenpersonals am Frankfurter Flughafen am Donnerstag, bei der die Forderungen der Piloten als überhöht kritisiert worden waren. Cockpit sieht die angeblich spontane Kundgebung von der Lufthansa gesteuert. VC-Mitglied Michael von Pilar sprach von einer "Instrumentalisierung des Bodenpersonals durch die Lufthansa". Dieses "unerträgliche Verhalten" der Arbeitgeber habe "die Fronten mit Sicherheit weiter verhärtet".

Tarp verteidigte die Cockpit-Ansprüche. Moderate Tarifforderungen hätten sich in der Vergangenheit nicht bewährt. Cockpit, die 4.200 Piloten vertritt, fordert rund 24 Prozent mehr Gehalt und eine Ergebnisbeteiligung. Die Lufthansa bot bisher Einkommensverbesserungen von 10,6 Prozent im Grundgehalt und zwei Monatsgehälter Ergebnisbeteiligung. Die Verhandlungen an einem geheimen Ort waren am vergangenen Mittwoch ergebnislos abgebrochen worden. Eine Schlichtung schloss Tarp zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus. Noch gebe es eine Chance, sich ohne Schlichter zu einigen.

18.5.2001 14:27