Montag, 14. Mai 2001

Schon bald keine Briefmarken mehr in den Trafiken?

Seit 1. Mai wurde für Trafikanten die Handelsspanne bei Briefmarken von der Post einseitig von 7 auf 2 Prozent abgesenkt. Nun soll das Kartellgericht entscheiden, ob die drastische Senkung der Briefmarkenprovisionen ein Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung der Post AG ist.

"Diese 72-prozentige Spannenreduktion ist für die Trafikanten unzumutbar", betont Peter Trinkl, Vorsteher des Bundesgremiums der Tabaktrafikanten.

Das Bundesgremium hat nunmehr über die Alix Frank Rechtsanwälte KEG beim Kartellgericht einen Antrag auf Abstellung des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung eingebracht. Der Partner dieser Rechtsanwaltssozietät, Wolfgang Punz, erläutert, dass es sich einerseits um die Erzwingung unangemessener Einkaufspreise infolge der drastischen Absenkung der Handelsspanne handle. Andererseits sei durch diese Handlungsweise der Post eine massive Einschränkung des Absatzes zum Schaden der Verbraucher gegeben.

Trafikanten wollen Briefmarkenverkauf einstellen
Insgesamt hat bereits österreichweit der Großteil der Tabaktrafikanten angekündigt, zu den nunmehr von der Post gewährten marginalen Provisionen, den Briefmarkenverkauf einzustellen. Allein in Wien und Niederösterreich haben etwa 1600 Trafikanten diesen Schritt angekündigt, stellt der Geschäftsführer des Bundesgremiums der Tabaktrafikanten, Ulrich Chmel fest.

Das Kartellgericht wird entscheiden, ob es sich beim Vertrieb von Briefmarken seit der Privatisierung der Post AG noch um einen hoheitlichen Akt handelt. Außerdem wird geprüft werden, ob die Sanierung eigener Schwierigkeiten nicht einseitig zu Lasten von Vertriebspartnern betrieben worden ist, schließt Trinkl, dessen Bereitschaft zu einer gemeinsamen Lösung von Postgeneral Wais abgelehnt wurde.

14.5.2001 15:41