Montag, 14. Mai 2001

Aber: Elektrogeräte werden ein bis drei Prozent teurer

Nach Altautos sollen künftig auch Elektrogeräte wie Computer, Waschmaschinen, Radios oder Rasierapparate in der Europäischen Union von den Herstellern kostenlos entsorgt werden. Das sieht ein Richtlinienentwurf vor, über den das Europaparlament am Dienstag in erster Lesung debattiert.

Künftig soll damit sicher gestellt werden, dass Elektroschrott nicht mehr in den normalen Hausmüll gerät, sondern getrennt entsorgt wird.

Priorität wird dabei der Wiederverwendung und dem Recycling eingeräumt. Die Richtlinie soll nach Angaben des Umweltausschusses für alle privat und gewerblich genutzten Elektro- und Elektronikgeräte gelten. Angesichts der rapide wachsenden Berge an Elektroschrott ist eine solche Regelung "überfällig", sagt ein Sprecher.

Lebensdauer der Geräte wird immer kürzer
Mehr als sechs Millionen Tonnen Elektronikschrott fallen nach der Brüsseler Kommission zufolge jährlich in der EU an. Da die Lebensdauer der Geräte immer kürzer wird, wächst dieser Müllberg rapide - jährlich um rund fünf Prozent. Noch landen die meisten Altgeräte auf Deponien oder in Müllverbrennungsanlagen. Giftige Bestandteile wie Blei, Cadmium und Quecksilber werden meist nicht gesondert entsorgt, was erhebliche Umweltbelastungen mit sich bringt.

Kosten werden in Preise "eingebunden"
Die geplante Richtlinie sieht eine umweltfreundliche Entsorgung der Altgeräte vor. Finanziert werden muss dies von den Herstellern; diese sollen die Kosten in die Preise "einbinden". Schätzungen zufolge dürften die Preise dadurch um ein bis drei Prozent in die Höhe getrieben werden.

Harte Strafen für Hersteller bei Verstoß
Die Verbraucher sollen ausreichend über Sammelstellen informiert werden. Mit Anreizen wie einem Pfandsystem sollen sie dazu gebracht werden, diese Möglichkeit auch zu nutzen. Für Hersteller, die gegen die Richtlinie verstoßen, fordert der Umweltausschuss "abschreckende" Strafen. Die Unionsländer könnten aber auch Sanktionen gegen Verbraucher ergreifen, die Elektroschrott entgegen den Vorschriften weiter in die Hausmüll würfen, heißt es in dem Text weiter.

"Kampf" gegen die Lobby kann lange dauern
Wann dies der Fall sein wird, ist allerdings unklar. Denn wie bei der Altauto-Richtlinie, die erst nach jahrelangem Tauziehen unter Dach und Fach gebracht wurde, stemmt sich wieder eine mächtige Lobby gegen die geplanten neuen Verpflichtungen. Auf Unterstützung können die Interessenvertreter vermutlich bei einigen Unionsländern hoffen.

"Wir rechnen mit einigem Widerstand im Ministerrat", sagte der Sprecher des Umweltausschusses. Es ist daher wahrscheinlich, dass sich Parlament und Ministerrat in einem Vermittlungsverfahren um einen Kompromiss bemühen müssen. "Und dies dürfte mindestens zwei Jahre dauern."

14.5.2001 11:05