"Arbeiten bis 65: Was gilt nun Herr Bundeskanzler?"

Ende 2001 werden die beiden amtierenden AUA-Vorstände Herbert Bammer (60) und Mario Rehulka (59) gehen. Laut AUA-Aufsichtsratschef Johannes Ditz ist es Zeit für eine Management-Verjüngung. "Wie lässt sich das mit dem "Arbeiten bis 65"-Konzept von Bundeskanzler und ÖIAG-Eigentümervertreter Wolfgang Schüssel vereinbaren?" fragt nun der Leitende Sekretär im ÖGB.
"Die vorzeitige Abberufung des Austrian Airlines-Vorstandsduo ist einigermaßen merkwürdig", stellte der Leitende Sekretär im ÖGB, Richard Leutner, fest. Vor allem die Begründung ihrer Ablöse nach einer "geplanten Verjüngung" des Managements verwundert einigermaßen, so Leutner.
Bundeskanzler Schüssel an der Spitze als Eigentümervertreter der ÖIAG tauscht das AUA-Vorstandsduo gegen "Jüngere" aus und verkündet gleichzeitig, dass "Arbeiten bis 65 Jahre 'in' ist", kritisiert Leutner.
Schüssel will zwar, dass bis 65 Jahre gearbeitet wird, als oberster Eigentümervertreter der ÖIAG, die im Besitz der Republik Österreich ist, will er aber offensichtlich davon nichts wissen. Denn das bisherige Vorstandsduo wird nun mit der Begründung nach einem Übergang auf ein "verjüngtes Management-Team" ausgewechselt.
Bammer ist 60 Jahre, Rehulka 59 Jahre alt - also weit entfernt von der Vorstellung "Arbeiten bis 65". Also doch zu alt zum Arbeiten? Nach der Forderungen aber auch zu jung für die Pension. "Was gilt nun Herr Bundeskanzler?"
Ditz: "Kapitalmarktorientierung muss stärker in den Vordergrund"
Die AUA hat ein "schwieriges und turbulentes Wirtschaftsjahr" hinter und ein "ganz wichtiges" Jahr vor sich, meinte AUA-Aufsichtsrats-Chef und ÖIAG-Vorstand Johannes Ditz am Montag vor Journalisten. Die Integration der Töchter Lauda Air und Tyrolean Airways in das Stammhaus ist eine "gewaltige Herausforderung". Weiters soll künftig die Position der AUA in der Star Alliance gestärkt werden, die Kapitalmarktorientierung muss stärker in den Vordergrund gerückt werden, einige Rechtsstreitigkeiten sind noch zu lösen.
Über die Gründe für die vorzeitige Ablöse hielt sich Ditz bedeckt: Derzeit sei das "richtige Klima", den Übergang auf ein verjüngtes neues Managementteam einzuleiten, das diese Integration fortführt. Darauf hat sich das AUA-Präsidium geeinigt.
Trotz der schwierigen Situation im Jahr 2000 hat hat die AUA ein positives Bilanzergebnis erzielt, die Übernahme der Lauda Air ist optimal abgewickelt worden, der derzeitige Vorstand hat gute Arbeit geleistet, bemerkte Ditz. Es ist jedoch "nicht zu leugnen, dass im gesamten Investor Relations-Bereich und in der Öffentlichkeitsarbeit einiges an Porzellan zerschlagen wurde".
Ausscheidungskosten noch nicht bekannt
Ditz war bisher "nicht bereit, über Ausscheidungskosten zu reden". Die Kosten für das Ausscheiden von Bammer und Rehulka werden jedenfalls "nur einen Bruchteil jener Kosten ausmachen, die derzeit an Beratung für die Schwierigkeiten innerhalb der Gruppe dargelegt werden müssten". Wie berichtet war der ehemalige Tyrolean-Chef Fritz Feitl zu Jahresende 2000 mit einer Abfindung von 58 Mill. S aus dem Unternehmen geschieden.
Der personelle Übergang, bei dem der derzeitige AUA-Vorstand nach Wunsch von Ditz beratend zur Seite stehen und den neuen Vorstand ins Amt einführen sollte, ist für Jahresende geplant. Die beiden Vorstände Herbert Bammer und Mario Rehulka haben einiges an Urlaub abzubauen, Bammer beispielsweise sieben bis acht Monate, so Ditz. Damit die AUA nicht einige Zeit führungslos ist , wurde der Vorstandswechsel vorgezogen.
"Ablöse nicht politisch motiviert"
Dass der Wechsel im Vorstand bzw. die anstehende Neubesetzung politisch motiviert sein könnte, wies Ditz zurück: "Über den künftigen AUA-Vorstand entscheidet ausschließlich der AUA-Aufsichtsrat, Zwischenrufe werden den Aufsichtsrat nicht tangieren", so Ditz.
Der Betriebsrat sieht dem Wechsel mit gewissen Ängsten und Unsicherheiten entgegen, weiß Ditz, der sich heute mit dem Betriebsrat getroffen hat: "Wir werden aber so vorgehen, dass wir diese Sorgen zerstreuen können".
"Wir fühlen uns für die Zukunft des Unternehmens verantwortlich", begründete Bammer heute die Bereitschaft, den neuen Vorstand gemeinsam ein zu arbeiten.
Die AUA-Gruppe (mit Lauda Air und Tyrolean) hat im Jahr 2000 das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) auf 83,8 Mill. Euro (1,153 Mrd. S) mehr als vervierfacht. Das Ergebnis vor Steuern wurde auf 41 Mill. Euro knapp verdoppelt. Der Umsatz stieg um 17,2 Prozent auf 1,73 Mrd. Euro. Die Dividende wurde von zuletzt 51 auf 30 Cent je Aktie gekürzt.

