Mittwoch, 16. Mai 2001

Radikal-Umbau nach Champions League Titel?

"Wir sind jetzt absolute Spitze in Europa, wahrscheinlich sogar in der Welt“, tönte Uli Hoeneß (gr. Bild), Manager des deutschen Fußballmeisters Bayern München, vergangenen Mittwoch in die Mikrofone der TV-Sender. Nicht zu Unrecht: Manchester und Real aus dem Bewerb geworfen, was soll da noch passieren? Valencia macht den Bayern keine Angst, der Kader für die nächste Saison aber schon.

Allerdings fehlt den Münchnern noch ein Sieg, um wirklich am Ziel ihrer Träume zu sein – und der muss ausgerechnet im wichtigsten Spiel des Jahres gelingen: im ‚Grande Finale‘ des Meistercups am kommenden Mittwoch im Meazza-Stadion von Mailand (20.35 Uhr). Der Gegner: Vorjahrsfinalist Valencia.

Wandert der Pokal der Pokale nach 25 Jahren wieder nach München, wäre das ein historischer Erfolg.
Bayern könnte – nach drei verlorenen Meistercup-Finalspielen (1982, 1987, 1999) – wieder über einen Triumph jubeln. Doch was kommt danach?

Billige Superstars
Dass die Bayern finanziell top dastehen und nicht wie ihr aktuelles Champions-League-Opfer Real Madrid in Milliardenschulden versinken, verdanken sie freilich einer ganz eigenen Philosophie. Die Bayern-Spieler sind relativ billig. Manager Uli Hoeness gilt als Sparefroh unter den europäischen Klubmanagern. Das könnte einige Stützen der Mannschaft nach dem CL-Titelgewinn von der Isar vertreiben.
Allen voran einen der wichtigsten Bayern-Spieler: Bixente Lizarazu. Aber auch Elber, Effenberg, Santa Cruz...sie alle stehen in der finanziellen Reichweite der "reichen" Clubs.

Lizarazu denkt über Abschied nach
Die letzte Herausforderung für den Franzosen ist der Gewinn des CL-Titels. "Einmal in meinem Leben möchte ich diesen Pokal gewinnen, und hoffentlich ist das 2001", sagt der Sympathische Bixente. Und er denkt auch schon leise an den Abschied vom FC Bayern nach. "Alles ist möglich! Aber noch ist es nicht der richtige Moment darüber zu sprechen."

Trotz Spitzenstellung nicht wie in Italien
Auch Effenberg und Hargreaves könnten den Verein verlassen. Arsenal London, das sich in der vorletzen Runde mit einem 0:0 bei Newcastle die direkte Qualifikation an der CL gesichert hat, ist heftig an dem Engländer in den Diensten der Bayern interessiert: 40 Millionen Mark. Wer kann da "Nein" sagen?
Die Bayern-Superstars verdienen zwar gut, aber verglichen mit ihren Kollegen bei italienischen, spanischen oder englischen Spitzenvereinen nur ein Butterbrot. So kassiert Bayern-Diva Stefan Effenberg als teuerster Bayern-Spieler mit 45 Millionen Schilling brutto im Jahr gerade Mal die Hälfte von dem, was Alessandro del Piero von Juventus Turin pro Spielzeit einstreift – netto! Zumindest bei einem Champions-League-Erfolg würde sich der Bayern-Kassier jedoch spendabel zeigen. Kolportierte Prämie: 3,5 Millionen Schilling für jeden Spieler.

Starkes Führungstrio
Das seit Jahren hohe sportliche und finanzielle Niveau verdankt der FC Bayern in erster Linie seinem starken Führungstrio. Präsident Franz Beckenbauer lenkt seit 1991 die Geschicke „seiner“ Bayern, mal polternd, mal überschwänglich jubelnd, aber immer mit dem auf
Erfolg gerichteten Auge.

Ebenfalls seit zehn Jahren an Bord: Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge, der an der Seite des „Kaisers“ zum beinharten, aber international hoch geschätzten Fußball-Macher avancierte.
Last, but not least steht Manager Uli Hoeneß seit 22 Jahren wie kein anderer für die Erfolgsmarke Bayern München. Denn Hoeneß verkörpert wie kein anderer genau jene „Tugenden“, die die Bayern-Fans an ihrem Klub schätzen – und die Bayern-Gegner hassen: unbändigen Ehrgeiz und eine gewisse Überheblichkeit.

Fakt ist daher: Kein anderer Klub in Deutschland (und kaum einer auf internationalem Parkett) polarisiert so stark wie Bayern München, hat so viele Kritiker.

Fakt ist aber auch: Nur wenige Klubs haben so viele Anhänger wie die Bayern, denn 83.500 Mitglieder und mehr als 1.900 Fan-Klubs sind nicht nur in Deutschland Spitze.

Quotenzugpferd Bayern MünchenVon der Zugkraft der Münchner Kicker profitieren nicht zuletzt die TV-Sender. RTL etwa, das in Deutschland die Champions League überträgt, verzeichnete beim Halbfinal-Schlager gegen Real Madrid bis zu 13 Millionen Zuschauer, beim Finale könnte sogar an der magischen 20-Millionen-Marke gekratzt werden.

Österreichs erfolgreicher Bremen-Legionär Andi Herzog, der selbst eine Saison lang bei den Bayern spielte, zu TV-MEDIA: „Ich rechne mit einer ausgeglichenen Partie. Die Bayern spielten zuletzt teilweise unattraktiv, aber sehr effektiv, haben eine kompakte Mannschaft. Und Valencia steht nicht umsonst zum zweiten Mal in Folge im Finale.“ Herzogs Tipp: „Bayern ist Favorit.“

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16.5.2001 11:22