Sonntag, 20. Mai 2001

Distanz zu Schüssel wahren

Wolfgang Schüssel scheint international rehabilitiert: Innerhalb von nur zehn Tagen trifft er in Wien Ex-US-Präsident Clinton und den deutschen Kanzler Schröder. Das Problem dabei: Die Mächtigen der Welt tun dennoch alles, um möglichst auf Distanz zu bleiben.

Als vergangenen Donnerstag Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in der prunkvollen Orangerie im Schloß Schönbrunn zu seiner Rede anheben wollte, ließ der ehemalige US-Präsident Bill Clinton auf sich warten. Schüssel konnte nicht einfach beginnen. Zehn Minuten dauert es, ehe Clinton in einer gepanzerten Limousine vorfuhr. Er hatte noch rasch ein Gespräch mit Altkanzler Franz Vranitzky in der Residenz der US-Botschafterin Kathryn Hall eingeschoben.

Von den (sozialdemokratischen) Mächtigen dieser Welt wird der schwarz-blaue Wendekanzler nach wie vor nicht gerade mit überschwenglicher Freundlichkeit behandelt. Das offizielle Besuchsprogramm, das erst nach mühsamen Verhandlungen Berlin–Wien zustande gekommen ist, beweist, daß beide Herren einander nicht unbedingt grün sind. Erst am zweiten Tag seines Wien-Aufenthalts, kommenden Samstag, wird Schröder am Ballhausplatz Schüssel zu einem Arbeitsgespräch treffen.

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20.5.2001 07:50