Kanzlerposten - Ist der Weg für Haider frei?

Nach dem Wahlsieg des rechts-rechten Berlusconi-Bündnisses und den lahmen EU-Reaktionen glaubt Jörg Haider wieder an seine Kanzlerchance. Auch seine Europapläne scheinen plötzlich realisierbar.
Den Kärntner Landeshauptmann, seit Monaten selten ausgelassener Laune, übermannte regelrechte Euphorie, als erste Details über den Wahlsieg Silvio Berlusconis bekannt wurden. Haiders Feierlaune steigerte sich sogar noch, als klar war, daß die Mitgliedsländer der Europäischen Union fast durch die Bank zurückhaltend auf den Erfolg des rechts-rechten Parteienbündnisses reagierten.
Haiders Euphorie
Keine Rede von Sanktionen, keine besondere Empörung über den populistischen Berlusconi samt seinen postfaschistischen und xenophoben Bündnispartnern Gianfranco Fini und Umberto Bossi. „Offensichtlich hat man erkannt, daß ein demokratisches Wahlergebnis unter demokratischen Parteien zu respektieren ist“, diktierte Haider der konservativen deutschen Tageszeitung „Die Welt“ mit triumphierendem Unterton ins Blatt.
Die Zufriedenheit des Freiheitlichen ist schnell erklärt: Er sieht mit einem Schlag all seine politischen Chancen für die Zukunft wieder intakt. Eine mögliche Neuauflage der schwarz-blauen Koalition, erwartet der Mann aus dem Bärental, werde wohl nie mehr zu ähnlich emotionalen Reaktionen führen wie im Jahr 2000. Und selbst sein jahrelanger Wunschtraum, einmal Bundeskanzler zu werden, scheint nach dem Einzug der postfaschistischen Alleanza Nazionale in die italienische Regierung nun nicht mehr völlig ausgeschlossen.
Die europäische Staatengemeinschaft würde in diesem Fall wohl zähneknirschend, aber ohne diplomatische Eklats zur Tagesordnung übergehen – glaubt Jörg Haider.
Blaue Europapläne
So bastelt der ehemalige FPÖ-Obmann, viele Wochen von Parteifreunden als tief deprimiert beschrieben, in seinem Kärntner Exil plötzlich munter an seiner weiteren Karriere. Das Vorhaben, mit einer länderübergreifenden Europaliste bei den EU-Wahlen im Jahr 2004 zu kandidieren, wird durch den jüngsten Pendelschlag in Richtung rechts ebenso realistischer wie eine mögliche Rückkehr in die Bundespolitik.
Alles über Haiders Pläne und die Reaktion der Opposition lesen Sie im aktuellen FORMAT.
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