Donnerstag, 17. Mai 2001

Rosemarie Bauer als Volksanwältin nominiert

Der Bundesparteivorstand der ÖVP hat die Frauenpolitikerin Rosemarie Bauer (56) als Kandidatin für die Volksanwaltschaft nominiert. Bauer, die bereits seit 1985 Abgeordnete im Nationalrat ist, folgt Ingrid Korosec nach, die in den Wiener Gemeinderat gewechselt ist.

Die vom ÖVP-Vorstand für die Volksanwaltschaft nominierte Rosemarie Bauer möchte in ihrer neuen Funktion "Anwältin der Bürger" sein. Sie habe zwar noch keine Zeit gehabt, sich über ihr neues Amt Gedanken zu machen, als Volksanwältin könne sie aber noch mehr als Anwältin der Bürger agieren als in ihrer Funktion als Abgeordnete. "Ich freue mich irrsinnig", sagte Bauer.

Bauer verwies darauf, dass der Bundesparteivorstand erst der erste Teil der Entscheidung gewesen sei. Nun müsse sie am nächsten Dienstag noch vom Parlamentsklub bestätigt werden. "Ich gehe aber davon aus, dass ich gewählt werde", sagte Bauer.

Ihr Nationalratsmandat "wird im Weinviertel bleiben", kündigte Bauer an. Wer ihr konkret im Parlament nachfolgt, werde in den nächsten Tagen entschieden. Zu Überlegungen, wonach Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat statt der neuen Volksanwältin wieder in den Nationalrat einziehen könnte, sagte Bauer, sie habe ein Grundmandat, "das kann sie unmittelbar nicht bekommen".

Bauer verfügt über eine jahrelange Erfahrung bei Verhandlungen über die legistische und praktische Gleichstellung der Frau und die Besserstellung der Familie. Über die eigenen Parteigrenzen hinaus wird sie als konstruktive Gesprächspartnerin geschätzt. Unter ihrer aktiven Mitwirkung wurde auch das Gleichbehandlungspaket sowie die Regelung des Frauenpensionsalters, das dem Jahr 2019 langfristig an jenes der Männer angeglichen werden soll, geschaffen.

Kurz-Biographie
Rosemarie Bauer wurde am 5. Juli 1944 in Roggendorf bei Melk geboren, sie ist verheiratet und Mutter einer Tochter. Nach der Matura absolvierte sie eine pädagogische Ausbildung und trat 1965 als landwirtschaftliche Berufsschullehrerin in Mistelbach in den Landesdienst ein. Seit 1981 ist sie mit der Leitung der Landwirtschaftlichen Fachschule Schloß Mittergrabern bei Hollabrunn betraut.

1965 trat sie dem ÖAAB bei, 1970 der Frauenbewegung Hollabrunn, wo sie zunächst Bezirks- und später Hauptbezirksleiterin wurde. 1972 war sie bei den Gemeinderatswahlen Spitzenkandidatin der Frauenbewegung und wurde Stadträtin für Kultur. 1973 wurde sie Mitglied der Landesleitung der Frauenbewegung und deren Bildungsreferentin. Ab 1984 bekleidete sie die Funktion der Generalsekretärin der Österreichischen Frauenbewegung, von 1987 bis 1991 war Bauer Geschäftsführende Bundesleiterin der ÖVP-Frauenbewegung, bis 1998 dann Chefin der ÖVP-Frauen.

Auf parlamentarischer Ebene wurde sie im Mai 1983 in den Bundesrat entsandt, dem Nationalrat gehört sie seit September 1985 an. Von 1980 bis April 1992 war Bauer Landesparteiobmann-Stellvertreterin der ÖVP-Niederösterreich.

17.5.2001 17:40