Montag, 14. Mai 2001

Vorschlag: Psychotherapie für Schläger

Gewalt in der Familie - selten wird Misshandlung angezeigt. Und die Dunkelziffer ist enorm. Sozialminister Herbert Haupt präsentierte Zahlen: Etwa jeder Fünfte lebt in einer Beziehung, wo Frauen oder Kinder von Gewalt betroffen sind. Die Zahl der gerichtsanhängigen Delikte dürfte seit 1998 um fast 20 Prozent angestiegen sein.

Eine stärkere gesellschaftliche Sensibilisierung, um die Gewalt in den Familien eindämmen zu können, will der Sozialminister erreichen. Bei einer Pressekonferenz anlässlich des morgigen Familientags kritisierte er, dass die Bereitschaft wegzusehen immer noch zu hoch sei. Die Aufmerksamkeit werde immer nur dann größer, wenn ein besonders schrecklicher Fall in den Medien ausführlich berichtet werde.

Dennoch glaubt der Minister, dass die Anfang der neunziger Jahre eingeleiteten Präventionsmaßnahmen einige Wirkung gezeigt haben. Es gebe in der Bevölkerung nunmehr eine höhere Bereitschaft, Gewalttaten zur Anzeige zu bringen: "Die Spitze des Eisbergs taucht jetzt mehr aus dem Meer auf".

Dass die Gewalt in erster Linie von Männern ausgeübt werde, sei unbestritten, erklärte Haupt. Deshalb sei es angesagt, neben Frauen und Kindern auch Männern Unterstützung nicht zu versagen, dies z.B. in Form von psychotherapeutischer Betreuung.

14.5.2001 13:20