Montag, 14. Mai 2001

Annan: Teilhabe d. Entwicklungsländer an Weltmarkt

Auf dem dritten Armutsgipfel der Vereinten Nationen hat EU-Kommissionspräsident Romano Prodi einen umfangreichen Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Welt angekündigt. Die Europäische Union werde jenen Entwicklungsländern die Schulden streichen, die im Rahmen des Lome-Abkommens Sonderdarlehen bekommen hätten, sagte Prodi am Montag in Brüssel.

Gastgeber UNO-Generalsekretär Kofi Annan forderte die Teilhabe der laut UNO-Definition "am wenigsten entwickelten Länder" (LCDs) am Weltmarkt.

Weltbankpräsident James Wolfensohn betonte, für weitere finanzielle Hilfen sei eine verstärkte Bekämpfung der Korruption Voraussetzung. An der einwöchigen Konferenz nehmen zahlreiche Regierungschefs, internationale Experten und Entwicklungshelfer teil. Zentrale Frage ist, wie den Ärmsten der Armen geholfen werden kann, aus dem Teufelskreis ihrer wirtschaftlichen und sozialen Probleme auszubrechen.

Integration d. Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft
Ziel des Lome-Abkommens ist die Integration der Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft und damit die Bekämpfung der Armut. Die EU und mehr als 70 Staaten Afrikas, der Karibik und des Pazifikraums (AKP) unterzeichneten die jüngste Vertragsfassung im Juni 2000. Das Abkommen sichert den AKP-Ländern unter anderem günstige Zolltarife und einen vereinfachten Zugang zu den EU-Märkten zu. Laut Prodi einigten sich die EU-Mitgliedsländer außerdem auf ein gestaffeltes Tarifsystem für Arzneimittel, das niedrigere Preise für Medikamente gegen Aids und andere Epidemien in Entwicklungsländern vorsieht.

Gastgeber Annan betonte in seiner Eröffnungsrede, die Menschen in den LCDs wollten nicht weiter von der Wohltätigkeit anderer leben, sondern als Produzenten und Konsumenten am Weltmarkt teilhaben. Die UNO zählt 49 Staaten der Welt zu den am wenigsten entwickelten Ländern, darunter 34 afrikanische Staaten. Das durchschnittliche Jahreseinkommen der dort lebenden Bewohner liegt unter 900 Dollar (1.029 Euro/14.162 S).

Frankreich fordert mehr Sozialprogramme
Frankreichs Präsident Jacques Chirac forderte die Weltbank auf, den LCDs Kredite für die Finanzierung von Sozialprogrammen zu geben. Den betroffenen Ländern müsse ein besserer Zugang zu internationalen Geldern gewährt werden. Dagegen hält Wolfensohn es für vorrangig, dass die internationale Gemeinschaft die Entwicklungsländer bei der Stärkung ihrer Regierungen und Justizsysteme unterstützt. Zudem forderte er ein Ende der regionalen Konflikte. Kritik übte der Weltbankchef außerdem an den örtlichen Infrastrukturen. Es habe keinen Sinn, Handelswege zu öffnen, wenn es weder Brücken, Straßen noch Exportmöglichkeiten gebe.

Auch der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo betonte, im Kampf gegen die Armut müssten die LCDs für mehr Transparenz und Stabilität ihrer Regierungen sorgen. "Korruption bedeutet Gegen-Entwicklung", sagte er. "Ohne gute Regierung wird es keinen Frieden geben, und ohne Frieden kann es keine Entwicklung geben."

14.5.2001 18:20