Mittwoch, 16. Mai 2001

SPEZIAL: NACH DER ITALIEN-WAHL

Ferrari-Chef Luca Di Montezemolo hat ein Angebot des designierten italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi zurückgewiesen: Montezemolo will nicht Sport-Minister werden!

In einem von 1.000 Ferrari-Mitarbeitern und von Jean Todt, dem Rennleiter von Ferrari, unterzeichneten Brief war Montezemolo am Dienstag gebeten worden, den Vorstandsvorsitz bei dem Autohersteller zu behalten.

Berlusconi hatte vor der Wahl erklärt, Montezemolo werde in einer von ihm geführten Regierung Sport- oder Außenhandelsminister. Seine Gegner hatten darauf mit dem Vorwurf reagiert, Berlusconi wolle sich die außerordentliche Popularität der Marke Ferrari bei den Italienern zu Nutze machen. Der Ferrari-Chef selbst hatte sich überrascht von Berlusconis Ankündigung gezeigt.

Am Dienstag erklärte Montezemolo, er habe mit Berlusconi gesprochen und diesen von den Appellen der Ferrari-Mitarbeiter wie auch vieler Fans in Kenntnis gesetzt, bei Ferrari zu bleiben. Berlusconi habe diese Motive verstanden, nicht in seine Regierung einzutreten.

Neues Super-Ministerium
Neu kommt ein "Superwirtschaftsministerium" - das Tremonti, der in der ersten Regierung Berlusconi den Posten des Finanzministers inne hatte, übernehmen soll. Es entsteht aus einer Fusion von Schatz- und Finanzministerium. Der 53-jährige Jurist ist, wie Berlusconi, beruflich außerordentlich erfolgreich und hat sich erst spät der Politik zugewandt. In einer diplomatischen Offensive bei Botschaftern, Investmentbankern und Finanzjournalisten suchte er die Befürchtungen in Europa wegen einer allzu großzügigen Steuerpolitik der Mitte-Rechts-Allianz zu beschwichtigen. Das Wahlmotto "Weniger Steuern für alle" und die versprochene Kürzung der Höchstsätze der Einkommens- und der Körperschaftssteuer auf maximal 33 Prozent will Tremonti in einen umsichtigen Etappenplan umwandeln.

Statt 18 nur mehr 12 Ministerien
Die neue Regierung will Berlusconi sehr flexibel gestalten. Während des Wahlkampfes versprach der Medientycoon eine Reduzierung in der Zahl der Ministerien von 18 auf 12. Das auch angesichts der Interessenskonflikte Berlusconis heikle Telekommunikationsministerium will der künftige Ministerpräsident der TV-Unternehmerin Letizia Moratti anvertrauen, die während der ersten Regierung des italienischen Medienkönigs bereits die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt RAI als Präsidentin geführt hatte.

Letizia Moratti, Schwägerin des Erdölmagnaten und Präsidenten des Mailänder Fußballklubs Inter Mailand, Massimo Moratti, könnte die einzige Frau in Berlusconis Kabinett sein.

Hochkarätiger Kandidat für den Posten des Außenministers ist der frühere Chef der Welthandelsorganisation (WTO), Renato Ruggiero.

16.5.2001 09:10