Montag, 14. Mai 2001

SPEZIAL: VOLKSZÄHLUNG

Eine erste Zwischenbilanz über den Verlauf der "Großzählung 2001" - vulgo Volkszählung - hat die Statistik Austria gezogen. Im Großen und Ganzen verlaufe die Zählung "ordnungsgemäß", meinte Projektleiter Karl Isamberth.

Die meisten Probleme gebe es mit veralteten Meldedaten in den Statutarstädten, wo das Meldewesen zwischen Magistrat und Polizei "zweigeteilt" ist. Wenn die "Volkszähler" "pausenlos Karteileichen nachjagen", sei das sowohl für die Zählorgane als auch für die Bürger ermüdend, so Isamberth.

"Natürlich gibt es bei einer Erhebung, die 8,1 Mill. Menschen umfasst, die eine oder andere Ungereimtheit", meinte Isamberth. Allerdings verwies er auf die Dimensionen der Volkszählung: "Ich bitte Sie zu bedenken: Wenn 99 Prozent zufrieden sind, sind 80.000 unzufrieden."

Die größten Datenschutzbedenken ortet Isamberth bei der Frage nach der Telefonnummer des Arbeitgebers. Gleichzeitig verwies er darauf, dass diese Angabe ausschließlich zur Erleichterung der Auswertung gebraucht werde: Anhand der Telefonnummer könne die entsprechende Arbeitsstätte im so genannten "Unternehmensregister" identifiziert werden, womit die Auswertung der Pendeldaten und des Wirtschaftszweiges, in dem der Betroffene arbeite, leichter falle.

Auf einen weiteren umstrittenen Punkt verwies der fachstatistische Generaldirektor der Statistik Austria, Ewald Kutzenberger: "Das Religionsbekanntnis ist eine Frage, die wir Statistiker eigentlich nicht dringend brauchen". Bei den Testläufen zur Volkszählung werde es deshalb regelmäßig vom Fragebogen gestrichen, von den Kirchen aber immer wieder hineinreklamiert. Boykott-Aufrufe kann Kutzenberger dennoch nicht nachvollziehen: "Die Konsequenz wäre ein dummer Staat, der nichts über seine Bürger weiß."

Die Anrufe bei der Informations-Hotline der Statistik Austria zur Volkzählung gehen laut Isamberth bereits wieder zurück. Anfangs seien zwar bis zu 700 Anfragen pro Tag zu bewältigen gewesen, diese hätten sich aber vor allem mit organisatorischen Fragen a la "ich hab' noch immer keine Fragebögen" beschäftigt. Hier laute die Antwort in der Regel "cool bleiben" und abwarten, meinte Isamberth. Wer bis 15. Mai noch keine Fragebögen erhalten habe, solle sich aber dennoch mit den zuständigen Magistraten oder Gemeindeämtern in Verbindung setzen. Auch bei den Hotlines der einzelnen Städte gebe es "keine heißlaufenden Telefone", berichtete Isamberth.

14.5.2001 08:04