Donnerstag, 10. Mai 2001

Groß-Skandal im Baumilieu

Wegen Schwarzarbeit in großem Stil wird gegen Spitzenmanager deutscher Bauunternehmen ermittelt. Durch illegale Beschäftigung portugiesischer Arbeiter hätten sie Staat und Sozialversicherungen um Steuern und Sozialabgaben in zweistelliger Millionenhöhe betrogen.

Dies teilten die Münchner Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung mit. Gegen neun von insgesamt 24 Beschuldigte in Deutschland und Portugal seien bereits Haftbefehle erlassen worden.

Insgesamt 112 Firmen, darunter zum Teil Briefkastenfirmen, seien in das Verfahren verwickelt. Die illegal Beschäftigten arbeiteten auf großen, häufig auch öffentlich finanzierten Baustellen, wie der zuständige Abteilungsleiter der Staatsanwaltschaft München II, Klaus Schelzig, erläuterte.

Vorfall auf Münchner Baustelle brachte Skandal ans Licht
Der Schwerpunkt der beteiligten Firmen und der Bauprojekte sei im Bereich München. Daneben hätten die Fahnder auch in Leipzig und Berlin ermittelt. Ein Vorfall auf einer Baustelle eines Münchner Krankenhauses brachte die Fahnder den illegalen Machenschaften der Bauunternehmen erstmals auf die Spur.

Hungerlöhne für Fremdarbeiter
Die Schwarzarbeiter seien über Subunternehmen in Portugal angeheuert, nach Deutschland gebracht, und nur mit Hungerlöhnen bezahlt worden. Meist bekamen sie den Angaben zufolge in den letzten drei Monaten überhaupt kein Geld und seien schließlich gekündigt worden.

An den Ermittlungen waren teilweise sechs Staatsanwälte sowie rund 500 bis 600 Mitarbeiter in Deutschland und Portugal beteiligt.

10.5.2001 15:52