Pilotversuch mit Österreich-Wirkung startet am 21. Mai

Ein Pilotversuch mit Folgen für ganz Österreich: Die Post will unrentable Ämter zusperren. Und sie setzt auf eine Partnerschaft mit dem Handel. In der steirischen Gemeinde Stein an der Enns startet am 21. Mai das Pilotprojekt. Ab diesem Tag mutiert der Greißler zum Postler - er stempelt Briefe, wiegt Pakete ab...
Der Greißler übernimmt das "Kernsortiment der Post", die Annahme und Ausgabe von Briefen, Paketen, eingeschriebenen Briefen. Das Bankgeschäft, das die Post für die P.S.K. ausführte, wird nicht übernommen. Für die Serviceleistungen erhält Nahversorger Ferdinand Moser 2,5 S (0,18 Euro) pro Brief und 12 S pro Paket.
Insgesamt soll der "Vertriebspartner" jährlich mindestens 100.000 S mit den Postdiensten umsetzen. Genauso hoch sind auch die Investitionen in die Adaption des Adeg-Geschäfts. Dieser trägt die Investitionskosten selbst. Die ersten bereits dafür gewonnenen Partner - neben dem erwähnten Greißler in Stein arbeitet ab 2. Juli auch die Spar-Händlerin Silvia Zelko im steirischen Kapfenstein für die Post - werden dabei kräftig von den jeweiligen Dachorganisationen unterstützt.
Die Post spart sich damit die Kosten für die Aufrechterhaltung des bisherigen Lokals, neben den relativ geringen Personalkosten vor allem Betriebs- und Investitionskosten. Insgesamt, so hofft Post-Vorstandsdirektor Josef Halbmayer, sollen diese Einsparungen die Vergütungszahlungen überschreiten.
Zu einem Personalabbau soll es bei der Post trotz der Auslagerung der Services nicht kommen. Das durch die Schließung von Standorten eingesparte Personal würde bereits dringen in anderen Bereichen benötigt. Derzeit herrsche bei der Post ein "Personalunterstand", so Halbmayer.
Im ersten Pilotversuch, bei dem die Post mit der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) kooperiert, sollen in allen Bundesländern rund 12 bis 15 neue Post-Partnerschaften geschlossen werden. Alles in allem will die Post dafür heuer 1,5 bis 2 Mill. S ausgeben. Zunächst sollen nur mit Lebensmittelhändler angesprochen werden, in einem Schritt will man aber auch mit andere Branchen kooperieren. Das Pilotprojekt endet in sechs Monaten.
Im Gegensatz zur deutschen und der niederländischen Post habe die österreichische Post ausschließlich eigene Postämter. In Deutschland seien hingegen bereits 60 Prozent aller Poststellen ausgelagert, in den Niederlanden sogar 80 Prozent, so Halbmayer weiter.
Insgesamt verfügt die Österreichische Post AG über rund 2.300 Postämter. Mehr als 1.500 Postämter in Österreich hätten nur ein oder zwei Schalterkräfte und seien großteils nicht wirtschaftlich aufrechtzuerhalten. Die Post sei daher bemüht ihr Netz umzugestalten und prüfe dabei verschiedene Alternativen. Neben der Post-Partnerschaft würden zum Teil einige Stellen auf andere Postämter verlagert, andere wiederum auch defizitär weitergeführt. Ein genaues Schließungskonzept hat die Post laut Halbmayer aber nicht.

