Freitag, 11. Mai 2001

Reisende haben nur wenig Verständnis für Piloten

Die Piloten der Deutschen Lufthansa haben am Donnerstag erstmals in der 75-jährigen Unternehmensgeschichte die Arbeit niedergelegt. Zwei Drittel der planmäßigen Flüge mussten bis Mittag gestrichen werden. Die Streitparteien äußerten sich aber zuversichtlich über eine mögliche Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen.

"Ich denke, heute, morgen oder übermorgen könnten die Gespräche weitergehen", sagte der Sprecher der Piloten-Gewerkschaft Cockpit (VC), Georg Fongern. Die Lage an den deutschen Flugplätzen blieb ungeachtet der Behinderungen ruhig, ebenso in Österreich. Viele Reisende zeigten wenig Verständnis für die Forderung der Piloten.

Endlose Schlangen: Über 1.100 Flüge gestrichen
Am Vormittag bildeten sich in Frankfurt vor den Schaltern der Lufthansa und ihrer Reisetochter Condor lange Schlangen. Viele Flüge waren als ausgefallen oder verspätet gekennzeichnet. Die Lufthansa musste nach eigenen Angaben bis etwa 13.00 Uhr 730 ihrer insgesamt 1.128 Flüge ausfallen lassen, das sind zwei Drittel. Alle Maschinen der Partnergesellschaften City Line, Team Lufthansa, Eurowings und der Star Alliance seien aber planmäßig abgehoben.

In Österreich nur 10 Flüge betroffen
In Österreich waren zehn von insgesamt 28 geplanten Deutschland-Flügen von den Airports in Wien und Graz vom 24-stündigen Pilotenstreik bei Lufthansa und Condor betroffen. Während es in Deutschland schon in der Früh zu hunderten Ausfällen kam, herrschte am Wiener Flughafen "Normalbetrieb", versicherte Airport-Sprecher Hans Mayer. Von Schwechat hätten heute 24 Maschinen mit Ziel Deutschland starten sollen. Neun der Verbindungen waren vom Streik betroffen. Da die Arbeitsniederlegung aber schon seit Tagen bekannt war, hätten viele ihre Reisen verschoben. Die restlichen Passagiere wurden umgebucht.

Allseits Hoffnung auf Wiederaufnahme der Verhandlungen
Nach Worten des VC-Sprechers könnte der jüngste Streik bereits die letzte Arbeitskampf-Maßnahme der Flugzeugführer im aktuellen Tarifstreit sein. Er hoffe und glaube daran, dass dies der einzige Donnerstag sei, an dem die Piloten streiken würden. Er erwarte, dass vom Streik ein Signal für ein rasches Ende der Tarifgespräche ausgehe. Auch der Lufthansa-Konzernsprecher hoffte auf eine baldige Fortsetzung der unterbrochenen Tarifgespräche.

11.5.2001 13:33