Dienstag, 8. Mai 2001

Die Zeit drängt für Privatisierung der türkischen Telekom

Eine Woche vor der Entscheidung des Internationalen Währungsfonds (IWF) über Milliardenkredite ringt die türkische Regierung um eine Einigung bei der geplanten Privatisierung der Türk Telekom. Wirtschaftsminister Kemal Dervis und Verkehrsminister Enis Öksüz konnten sich am Dienstag nicht über Details einigen, berichteten Medien.

"Die Arbeiten gehen weiter. Es wäre sehr vorteilhaft, wenn heute eine Lösung gefunden wird. Man muss die Arbeiten heute beenden", sagte Dervis nach der Sitzung. Minister Öksüz betonte dagegen, dass es keinerlei Probleme gebe.

IWF-Kredite gegen türkische Telekom-Reform
Der IWF wird voraussichtlich am 15. Mai über Kredite entscheiden. Die Türkei rechnet mit zehn Mrd. Dollar (11,28 Mrd. Euro/155 Mrd. S) zur Überwindung der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise. Der IWF erwartet aber, dass die Türkei bis dahin Reformvorhaben wie das Gesetz zur Privatisierung der staatlichen Telekommunikationsgesellschaft umgesetzt hat. Am Wochenende hatte Dervis erklärt, dass die Türkei 45 Prozent an einen ausländischen Investoren verkaufen will. Zuvor war auch ein Verkauf der Mehrheit diskutiert worden. Das einflussreiche Militär hatte jedoch Bedenken geäußert und befürwortet, dass der Staat die Mehrheit an der Türk Telekom behalten soll.

Die Wirtschaftskrise war durch einen Streit zwischen Ministerpräsident Bülent Ecevit und Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer über die Bekämpfung der Korruption ausgelöst worden. Der eigentliche Grund der Krise sind aber Misswirtschaft, das marode Bankensystem und die weit verbreitete Korruption.

8.5.2001 19:08