Dienstag, 8. Mai 2001

Stromnetz am Boden, auch Australien hat Probleme

Wegen der Energiekrise sind in Kalifornien in Zehntausenden Haushalten erneut die Lichter ausgegangen. Die Behörde ISO, die das staatliche Stromnetz kontrolliert, machte vor allem die hohen Temperaturen für die Probleme am Montagabend (Ortszeit) verantwortlich. Aber auch Australien ist von massiven Strom-Problemen bedroht.

Viele Menschen in Kalifornien schalteten als Erstes die Klimaanlage an, wenn sie nach Hause kämen, beklagte ein ISO-Sprecher. Dies führe zu einem rasant ansteigenden Strombedarf. Ein Zusammenschluss von US-Wissenschaftlern kritisierte am Montag die Energiepolitik von US-Präsident George W. Bush. Er vernachlässige die Entwicklung erneuerbarer Energien.

Ursache: Stromanbieter dürfen Preissteigerungen nicht weitergeben
Der Energieversorger Pacific Gas & Electric (PG and E) teilte mit, der Strom sei an manchen Orten für rund eine Stunde abgestellt worden. Betroffen waren diesen Angaben zufolge anfänglich 54.000 Haushalte, diese Zahl habe aber schnell auf 225.000 ausgedehnt werden müssen. Zu den Versorgungsproblemen kam es, nachdem zwei der größten Stromanbieter des Bundesstaates, PG and E und Southern California Edison, wegen der Liberalisierung des Strommarktes und der höheren Preise an den Rand des Bankrotts geraten waren. PG and E hatte Anfang April Konkurs angemeldet. Die Stromversorger dürfen die steigenden Kosten nicht an die Verbraucher weitergeben.

Vier Kraftwerke außer Betrieb
Derzeit sind ISO zufolge in Kalifornien vier Kraftwerke wegen Reparaturarbeiten außer Betrieb. Dies verschärfe die aktuelle Krise noch. Der ISO-Sprecher forderte die Bevölkerung deshalb erneut zum Stromsparen auf. "Wir wollen die Gesundheit der Leute nicht gefährden", sagte er, "aber wenn sie darauf verzichten könnten, die Klimaanlage einzuschalten, würde das wirklich helfen". Er rechnete für Dienstag mit weiteren Versorgungs-Engpässen, da sich die Temperaturen noch erhöhen sollten. Kalifornien ist mit 34 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat der USA.

Schwere Vorwürfe in Richtung Präsident Bush
Eine US-Umweltorganisation kritischer Wissenschaftler warf Bush und seinem Vize-Präsidenten Richard Cheney vor, den hohen Ölpreis und die Energiekrise in Kalifornien zum Vorwand für die Genehmigung neuer Probebohrungen in Naturschutzgebieten zu nehmen. Dafür würden umweltfreundliche, sichere Energien vernachlässigt. In seinem Haushaltsentwurf habe Bush die Ausgaben für Forschungsprogramme für alternative Energie fast halbiert, betonte ein Sprecher. Cheney hatte vergangene Woche mitgeteilt, die Regierung fasse energiepolitisch alle Optionen ins Auge - darunter auch die Wiederbelebung der Atomenergie.

Auch Australien drohen massive Stromausfälle
Wegen mangelnden Wettbewerbs auf dem Energiemarkt drohen Australien Stromausfälle wie in Kalifornien. Dies könnte die wichtigsten Städte des Landes ins Chaos stürzen, heißt es in einem Bericht des World Energy Council (WEC), der bei einer Energiekonferenz der Region Asien-Pazifik in Sydney vorgestellt wurde.

Als Grund für die Schwächen am australischen Energiemarkt werden darin strukturelle Probleme genannt. Mehr realer Wettbewerb bei der Energieproduktion sei unbedingt notwendig. Australien habe nichts aus dem Beispiel Kaliforniens gelernt, kritisierte der Co-Autor der Studie, Graham Thomas.

8.5.2001 13:16