Dienstag, 8. Mai 2001

Die Liste der gedopten Fußballer wird immer länger

Ist Nandrolon bereits ein Grundnahrungsmittel der Spitzen-Kicker? Edgar Davids, Fernando Couto und nun Frank de Boer sind der Einnahme dieses Mittels überführt worden. Die niederländischen Medien mutmaßen, dass in der EM-Vorbereitung "einiges schief gelaufen" ist. De Boer bestreitet vehement, wissentlich gedopt zu haben. In Italien (Fall Couto) spricht man von einer "Grauzone" und "Nahrungsergänzung".

Der Legionär im Dienste des FC Barcelona Frank de Boer hat bestätigt, dass er bei einem Dopingtest am 29. April positiv gewesen ist. Nach Angaben des niederländischen Rundfunks soll in seinem Urin eine hohe Dosis Nandrolon gefunden worden sein. Der Test hat nach dem Spiel Barcelona gegen Celta de Vigo stattgefunden. De Boer bestreitet nach diesem Bericht vehement, dass er wissentlich gedopt habe.

"Ich bin komplett unschuldig!"
"Ich habe ein total reines Gewissen und ich habe nie eine gebannte Substanz eingenommen. Ich bin sehr überrascht, weil ich weiß, dass ich komplett unschuldig bin", sagte de Boer. Er ist bereits der zweite Spieler der niederländischen Nationalmannschaft, der mit einem hohen Nandrolon-Spiegel aufgefallen ist. Edgar Davids von Juventus Turin war am 4. März positiv getestet worden. Die niederländische Zeitung "De Telegraaf" deutete unter Verweis auf die beiden Fälle die Möglichkeit an, dass bei den Vorbereitungen zu zwei Länderspielen "etwas schief gelaufen" sein könne.

Perugia und Lazio Kicker gedopt
Aufsehen erregte schon Ende April der Fall Fernando Couto. Der portugiesische Team-Verteidiger vom italienischen Fußball-Double-Gewinner Lazio Rom wurde am 26. April auf Grund eines positiven Dopingtests mit sofortiger Wirkung gesperrt. Couto, bei dem Spuren von Nandrolon entdeckt worden waren, sieht einer längeren Sperre entgegen. Die genaue Dauer der Strafe steht aber noch immer nicht fest. Zwei ebenfalls in dieser Saison des Dopings überführte Perugia-Spieler hatten jeweils 16 Monate Sperre ausgefasst.

Kontrollen der Club-Ärzte gefordert
Auf die Seite der völlig verunsicherten Spieler hat sich in Italien Sergio Campana, der Präsident des italienischen Fußballverbandes (AIC), gestellt. Der AIC-Chef ist für eine Verlegung der Untersuchungen in Richtung der medizinischen Abteilungen der jeweiligen Klubs. "Ich glaube, dass es da eine gewisse Grauzone gibt. Die Spieler wissen nicht, oder zumindest nicht genau, was sie da nehmen", meinte Campana im April.

In jedem Kicker tickt eine Zeitbombe
Zu einem Russischen Roulette entwickeln sich die Doping-Proben, die nun vermehrt im Fußball stattfinden. In jedem Fußball-Profi tickt eine "Nandrolon-Zeitbombe". Anscheinend nahm jeder bisher Nahrungsergänzungsmittel. "Ohne diese Mittel kann man keine drei Spiele in einer Woche durchhalten", gab Lazio Roms Abwehrchef Alessandro Nesta unumwunden zu. Nachdem die Lazio-Kicker aus Angst vor den Dopingkontrollen sämtliche Mittel ablehnten, lagen vergangene Woche sechs Spieler des Meisters im Spiel gegen den AC Parma mit Wadenkrämpfen auf dem Rasen. Auch die Italienische U-21 hat das Mittel bereits abgesetzt, aus Angst vor den Doping-Tests. Allesandro del Piero von Juventus bringt die Stimmung unter den Profis auf den Punkt: "Ich habe sogar Angst, Wasser zu trinken".

8.5.2001 16:57