Sonntag, 13. Mai 2001

Riess-Passer auf großer Fahrt

Eine Woche lang bereiste FPÖ-Chefin Susanne Riess-Passer die USA: Bei renommierten Zeitungen und anderen Größen des Establishments versuchte sie die FPÖ vom Schmuddelimage zu befreien. Im FORMAT-Interview spricht sie über ihre Reise und die sinkende Bedeutung Jörg Haiders.

Format: Jörg Haider hat bei Ihrem Aufenthalt in den USA kaum eine Rolle gespielt. Warum?
Riess-Passer: Weil nach der Hysterie rund um die EU-Sanktionen klar geworden ist, daß sich alle schrecklichen Befürchtungen nicht bewahrheitet haben. Die Amerikaner beobachten genau, sind gut informiert. Da war klar, daß die alten Geschichten keine Rolle mehr spielen.

Format: Wenn er noch Parteichef wäre, hätte wohl alles anders ausgeschaut.
Riess-Passer: Das weiß ich nicht. Es ist ein Zeichen der Normalisierung, daß die FPÖ als Reformpartei anerkannt wird. Wir werden nicht anders beurteilt als andere Parteien. Das ist mir sehr wichtig.

Format: Es war die erste wichtige Auslandsreise als Vizekanzlerin.
Riess-Passer: Ich glaube, daß es wichtig war, der neuen amerikanischen Regierung die Situation in Österreich darzulegen. Was hat sich in den letzten 15 Monaten verändert, was ist für die Zukunft geplant. Die mediale Berichterstattung in den USA war ja entweder überhaupt nicht vorhanden oder nur sehr einseitig. Mein Besuch hat einiges zur Klärung der Situation beigetragen.

Format: War es schwierig, einigermaßen hochrangige Politiker zu treffen?
Riess-Passer: Österreichs Botschafter hat mir gesagt, daß es überhaupt nicht schwierig war, und ich hatte ja auch ein Gespräch mit dem neuen Gesundheitsminister Roderick Paige und anderen politischen Entscheidungsträgern. Nur die jüdische Anti-Defamation League hat ein
Treffen abgesagt, weil Herr Muzicant aus Österreich angerufen hat. Ansonsten wurden wir wie eine völlig normale Partei behandelt.

Format: Ein Ziel dieser Reise war es doch, daß aus der Haider-Partei langsam auch eine Riess-Passer-Partei wird?
Riess-Passer: Es ist weder seine noch meine Partei. Die FPÖ besteht aus vielen Persönlichkeiten. Als Parteichefin trage ich aber die Hauptverantwortung für die gesamte freiheitliche Politik und natürlich auch für das Bild der FPÖ im Ausland.

Format: Außenpolitik hat in Ihrer Partei bislang kaum eine Rolle gespielt?
Riess-Passer: Im ersten Jahr lag der Schwerpunkt auf innenpolitischen Themen. Aber natürlich ist es wichtig, jetzt mehr auch außenpolitischeSchwerpunkte zu setzen.

Alles über die USA-Reise von Riess-Passer und das ganze Interview finden Sie im aktuellen FORMAT.

13.5.2001 06:43