Donnerstag, 10. Mai 2001

Bis zu 100.000 Tote befürchtet

Trotz aller Beruhigung von Seiten Tschechiens - eine neue Studie warnt vor den schweren Folgen einer eventuellen Havarie. Ein Szenario wie nach der Tschernobyl-Katastrophe erscheint den Experten durchaus möglich.

Der Beauftragte des Landes Oberösterreich für grenznahe Atomanlagen, Radko Pavlovec, hat am heutigen Donnerstag in Prag zwei Studien von deutschen Atomexperten vorgestellt, die vor schweren Folgen einer eventuellen Havarie im südböhmischen Atomkraftwerk Temelin warnen.

Die Studie von Hirsch kommt zum Schluss, dass in Temelin sehr wohl Unfallszenarien auftreten könnten, die mit weiträumigen Auswirkungen auf die Umwelt verbunden wären. Es handle sich dabei vor allem um Kombinationen von einem Unfall mit Kernschmelze mit einem frühen Versagen des Containments (Schutzhülle). Angesichts der nuklearen Teile im Kraftwerk könnten die Folgen eines Unfalls die Größenordnung der Tschernobyl-Katastrophe erreichen.

"Die Gefahr schwerer Unfälle ist in Temelin, verglichen mit modernen Druckwasserreaktoren in der Europäischen Union, überdurchschnittlich hoch", erklärt Hirsch.

Bernd Franke vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg kommt zum Schluss, dass "nach vorliegenden Studien die Zahl der Todesfälle durch akute Strahlenkrankheit in der Größenordnung von 10.000 und mehr liegen, je nach Bevölkerungsdichte und Wetterlage. Die Zahl der Todesfälle durch Leukämie und Krebs auf Grund latenter Strahlenschäden kann 100.000 und mehr betragen kann".

Franke hält die bisherige Dokumentation der Temelin-Betreiber und der Nuklearaufsichtsbehörde (SUJB) für völlig unzureichend: "Die Dokumentation von offizieller tschechischer Seite ist unzureichend, was die Bewertung der Folgen schwerer Unfälle im AKW angeht."

Tschechien spricht von gelösten Problemen
An der Vorstellung der Studien nahmen auch die Vertreter der tschechischen Elektrizitätsgesellschaft (CEZ) teil, obwohl sie zuvor eine Präsenz abgelehnt hatten. Milan Musak von der Atom-Abteilung von CEZ bezeichnete die Publikationen nach Angaben der tschechischen Nachrichtenagentur CTK als Dokumente, die sich mit "allgemeinen Problemen von Druckwasserreaktoren befassen, die jedoch in Temelin schon gelöst sind".

SERVICE: Die beiden Studien sind auf der Homepage des Büros des Beauftragten für grenznahe Atomanlagen unter http://www.temelin.com zugänglich.

10.5.2001 15:20