Mittwoch, 9. Mai 2001

Mehr als 12.000 Polizisten waren im Einsatz

Der Castortransport aus dem stillgelegten Kernkraftwerk Rheinsberg hat am Mittwoch ohne große Zwischenfälle planmäßig das atomare Zwischenlager Lubmin bei Greifswald erreicht. Der Zug mit den vier Castor-Behältern und 246 atomaren Brennstäben erreichte nach etwa sechseinhalb Stunden Fahrt das 1999 in Betrieb genommene Zwischenlager.

Der Transport wurde von mehr als 12.000 Polizisten und Bundesgrenzschutz-Beamten aus mehreren Bundesländern geschützt.

Nach den spektakulären Massenprotesten gegen den Castor-Zug ins niedersächsische Gorleben Ende März beteiligten sich dieses Mal weniger als 200 Atomkraftgegner an den Protestaktionen. Das älteste deutsche Kernkraftwerk in Rheinsberg (Brandenburg) war auf den Tag genau vor 35 Jahren in Betrieb gegangen und 1990 stillgelegt worden.

Kurz nach dem Start des Castor-Zuges und unmittelbar vor dem Ziel war Atomkraftgegnern eine kurzzeitige Blockade der Gleise gelungen. Ansonsten hatte es entlang der rund 300 Kilometer langen Strecke nur verhaltene Proteste gegeben.

Eine lediglich halbstündige Verzögerung des Transports habe allein technische Ursachen gehabt, sagte Einsatzleiter Klaus Wils und sprach von einem erfolgreichen Einsatz. Die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern bezeichneten den Polizeieinsatz als überzogen und unverhältnismäßig. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) verteidigte den massiven Einsatz der Sicherheitskräfte als "angemessen". Das Ausmaß der Proteste sei bis zuletzt unklar gewesen, sagte er im InfoRadio Berlin-Brandenburg. Bei verschiedenen Protestaktionen nahm die Polizei in Brandenburg insgesamt 30 Kernkraftgegner vorübergehend fest.

Im Zwischenlager Lubmin soll der Atommüll aus den beiden ostdeutschen Atomkraftwerken Lubmin und Rheinsberg geparkt werden. Das Lager bietet Stellplätze für 80 Castor-Behälter. Es war von 1994 an für rund 465 Millionen Mark (238 Mio. Euro/3.272 Mio. S) nur wenige hundert Meter entfernt von den stillgelegten Reaktorblöcken in Lubmin errichtet worden. Atomkraftgegner zweifeln die Sicherheit des Baus an.

Nächster fahrplanmäßiger Transport: 15. Mai 2001
Am 15. Mai sollen voraussichtlich ein weiterer Transport mit Atommüll aus den Atomkraftwerken Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) und Stade (Niedersachsen) über Wörth zur Aufbereitung ins französische La Hague rollen. Niedersachsens Innenminister Heiner Bartling (SPD) will auf der Frühjahrstagung der Innenministerkonferenz dafür werben, dass die anderen Länder zusammen ein Drittel der Kosten der Castor-Transporte nach Gorleben tragen. Bisher hatten sich die Länder geweigert, sich an den Kosten zu beteiligen.

9.5.2001 15:31