Zwei-Kriege-Prinzip der Armee wird abgeschafft

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld will laut der "Washington Post" die Streitkräfte grundlegend reformieren und dafür das Zwei-Kriege-Prinzip fallenlassen. Die seit zehn Jahren geltende Formel, derzufolge die US-Armee in der Lage sein muss, zwei Kriege gleichzeitig zu führen, sei nicht mehr zeitgemäß.
Der Schwerpunkt der Militärstrategie solle von Europa nach Ostasien verlagert werden. US-Präsident George W. Bush werde die Reformpläne diese Woche mit Rumsfeld besprechen und sie am 25. Mai bei einer Rede vor der Marine-Akademie in Annapolis vorstellen.
Vor allem Truppenreduktion beim Heer
Bisher nutzte die US-Armee die Zwei-Kriege-Formel, um ihren Bedarf an Soldaten, Waffen, Schiffen und Flugzeugen zu errechnen. Auf ihr basierte auch die geltende Truppenstärke von 1,4 Millionen. Die geplante Änderung der Militärstrategie würde vor allem das Heer betreffen. Ostasien gilt traditionell als Beritt der Marine und der Marine-Infanterie, während Europa der Bereich des stehenden Heeres ist. Statt auf die konventionelle Kriegsführung müsse sich die Armee schwerpunktmäßig auf Situationen wie eine chinesische Blockade von Taiwan einstellen, berichtete die Zeitung.
In US-Verteidigungszirkeln wird die Zwei-Kriege-Formel schon seit einiger Zeit in Frage gestellt. In den vergangenen Jahren forderten zwei Experten-Kommissionen ihre Abschaffung. Auf der anderen Seite stand noch vor einem halben Jahr der heutige Vizepräsident Richard Cheney. Im Wahlkampf sagte er, das Prinzip dürfe auf keinen Fall geopfert werden, um einen weiteren Truppenabbau oder Kürzungen des Verteidigungshaushalts zu rechtfertigen.
Freiwerdende Mittel sollen in Aufrüstung gesteckt werden
Rumsfeld will die freiwerdenden Mittel laut der "Washington Post" in moderne Waffensysteme stecken. Bereits im März wurde bekannt, dass er die Streitkräfte umrüsten und mehr Zerstörer und Langstreckenbomber anschaffen will. Nun berichtete die Zeitung, der Verteidigungsminister wolle das Budget für 2002 um 20 Milliarden Dollar (22,4 Mrd. Euro/309 Mrd. S) aufstocken, um seine Reformen vorzubereiten. Ab 2003 stehen auch die Kosten für die geplanten Raketenabwehrsysteme ins Haus.
Die geplante Umstrukturierung dürfte von den Streitkräften nicht widerspruchslos hingenommen werden. Bereits die Tatsache, dass Bush das Verteidigungsbudget bisher nicht erhöhte, hat innerhalb der Militärführung für Verärgerung gesorgt. Für dieses Jahr fordern die Generäle einen Nachtragshaushalt von sechs bis acht Milliarden Dollar. Andernfalls müssten Schiffe im Hafen und Flugzeuge auf dem Rollfeld bleiben, hieß es laut der "Washington Post" in Kreisen des US-Kongresses.
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