Donnerstag, 3. Mai 2001

Dieter Quester testete 850.000-S-Überflieger-BMW

Renn-Oldie Dieter Quester kenn keine Furcht: Der BMW M3 gilt zwar als ärgster Macho in der Liga der straßentauglichen Sportwagen, Quester setzte sich dennoch für NEWS an dessen Steuer.

Das Fahrwerk des M3 ist so hart, dass die Piloten bei jedem Überfahren eines Kanaldeckels nur haarscharf an einem Bandscheibenvorfall vorbeischrammen. Sein Antritt ist so brutal, dass selbst mit Superkleber angepickte Plomben rauszufallen drohen, und sein Kurvengeist raubt sogar geeichten Fahrern den Gleichgewichtssinn. Nur der Mann im Cockpit lüpft kurz sein Kapperl, grinst und meint: "Willkommen in meinem Wohnzimmer."

Biss ohne Ende. Was für Boris Becker Wimbledon, ist für Dieter Quester BMW. Und obwohl er seit dieser Saison seiner Stammmarke Teilzeit-untreu wurde und auf Edel-Konkurrent Porsche (GT3) die FIA-GT-WM bestreitet, gehört sein Herz der weiß-blauen Marke. Und besonders dem stärksten Gerät aus der Dreier-Serie – eben dem M3.

Als Quester, noch 61 und kein bisschen rennmüde ("Also Daytona 2002 geb ich mir sicher noch"), die 343 PS des Power-Dreiers in Bewegung setzt und loszuckelt, meint man fast, die Rennfahrer-Legende sei doch schon in Frühpension gegangen. Aber Quester schmunzelt nur und treibt den M3 die Wiener Höhenstraße im dritten Gang hoch. Der Motor ruckt und muckt nicht, und Quester doziert: "Dass der Sechszylinder lammfromm ist, heißt noch nichts." Sprach’s und drückt einmal kurz, aber heftig auf die Tube. Da sprintet der BMW los (0–100 in 5,1 Sek.), als würde ihn die gesamte Meute der Porsches und Ferraris hetzen.

"Dieser Motor wird so schnell nicht übertroffen werden. Höchstens, sie pflanzen der nächsten M3-Generation einen Achtzylinder ein." Meint Quester. Was aber alles andere als notwendig ist: Biss, Spitze (250 km/h) und auch Durst (12,8 l / 100 km) passen. Und auch das Fahrwerk, obwohl eben brettlhart (Quester: "Ganz ehrlich, ich möcht damit auch nicht nach Paris fahren"), passt.

100 % Überholprestige. Das Heck bleibt auch in schnellen Kurven dank des elektronischen Helferleins DSC II "lammfromm". Und die 18-Zoll-Räder bei wilden Fahrbahnunebenheiten am Boden. Dass der Lenkrad-Kranz den Drehzahlmesser teilweise verdeckt ("Ich muss eh nur den roten Bereich sehen") und Fond und Kofferraum kaum familientauglich sind, stört Quester weniger. Der ist sich auch als geeichter Renn-Oldie sicher: "Noch nie hat Überholen so viel Spaß gemacht."

3.5.2001 14:25
GUSTO-Rezeptsammlung