Mittwoch, 2. Mai 2001

Handel will Kosten auf Kunden umlegen

Gegen starken Widerstand aus Wirtschaft und Ländern hat das deutsche Bundeskabinett das Pflichtpfand für Getränkedosen und Einwegflaschen beschlossen. Mit Einführung der neuen Verpackungsverordnung soll ab nächstem Jahr ein Pfand von mindestens 0,25 Euro (3,44 S) pro Getränkedose und Flasche gezahlt werden.

Bei Flaschen ab 1,5 Litern sind dann 0,50 Euro fällig; ausgenommen von der Pfandpflicht sind lediglich Wein-, Sekt- und Schnapsflaschen.

Wer soll das bezahlen?
Der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) betonte, angesichts des seit Jahren sinkenden Anteils von Mehrweg-Flaschen könne nur noch über das Pfand "der Dosenflut Einhalt geboten werden". Der Handel kündigte an, zumindest einen Teil der Milliardenkosten für Rücknahmeautomaten auf die Verbraucher umzulegen. Im Bundesrat war weiter offen, ob Trittins Vorlage eine Mehrheit bekommen wird.

Tausende Jobs gefährdet
Der Aufbau der Rücknahmesysteme werde zunächst den Handel "wahnsinnig viel Geld" kosten, bemängelte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes BDH, Holger Wenzel. "Das wird dann der Verbraucher zahlen müssen." Dem Verband zufolge müssten Geschäfte und Supermärkte drei bis vier Mrd. Mark in Rücknahmeautomaten für das Leergut investieren. Hinzu kämen nochmals jährliche Kosten für den Unterhalt des Rücknahmesystems in nicht abzuschätzender Höhe. Nach BDH-Schätzungen wären durch die hohen Belastungen für die Unternehmen 10.000 Jobs im Einzelhandel gefährdet. Auch Pleiten vor allem bei kleinen Läden seien wahrscheinlich.

Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) warf Trittin vor, sein Ziel, Mehrweg zu fördern, mit dem Pflichtpfand zu verfehlen. Es sei davon auszugehen, dass große Teile des Handels bei dessen Einführung Mehrwegflaschen aus dem Sortiment nehmen würden, weil sich die Geschäfte zwei Rücknahmesysteme nebeneinander nicht leisten könnten.

2.5.2001 18:22