Mittwoch, 2. Mai 2001

Aktion der Umweltschützer vor dem Parlament in Wien

Saatgut der Firma Pioneer ist nach Angaben von Greenpeace mit gentechnisch manipuliertem Mais kontaminiert, der in Österreich nicht zugelassen ist. Das Unternehmen wurde bei den zuständigen Behörden angezeigt, teilte die Umweltorganisation heute, Mittwoch, in einer Aussendung mit.

Am Vormittag warnten Greenpeace-Aktivisten beim Parlament in Wien vor gentechnisch verunreinigtem Mais. Von Pioneer stand eine Stellungnahme zunächst aus.

Der Gentech-Mais im Pioneer-Saatgut war bei Analysen im Auftrag von Greenpeace entdeckt worden. In der konventionellen Sorte PR39D81 der Firma fanden die Tester Anteile von gentechnisch manipulierten Maissorten BT11 sowie Mon809 oder Mon810 (diese Produkte der US-Firma Monsanto sind analytisch nicht unterscheidbar).

Saatgutproben werden untersucht
Bei BT11 handelt es sich um einen Mais der Firma Novartis, der durch Genmanipulation ein Insektengift produziert und gegen ein Unkrautvernichtungsmittel widerstandsfähig ist. BT11 darf in die EU nur importiert, aber nicht angebaut werden. Mon810 ist in Österreich mit einem Importverbot belegt, und für Mon809 ist das Zulassungsverfahren noch nicht abgeschlossen. Der Verkauf all dieser Sorten ist in Österreich daher illegal, so Greenpeace.

Für Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer (V), der am Nachmittag am parlamentarischen Landwirtschaftsausschuss zum Thema Saatgut teilnehmen sollte, hinterlegten die Greenpeace-Aktivisten weitere Saatgutproben versehen mit der Aufforderung, es "dringend" zu untersuchen: "Da die Aussaat von Mais unmittelbar bevorsteht, verlangen wir von den zuständigen Ministern Molterer und (Herbert, F, Anm.) Haupt unverzüglich ein Verbot für in Amerika erzeugtes Saatgut, lückenlose Kontrollen und eine Positiv-Liste mit kontrolliert Gentech-freiem Saatgut. Außerdem muss Pioneer eine sofortige Rückholaktion starten", forderte der Greenpeace-Aktivist Thomas Fertl.

Bei Saatgut-Verunreinigungen gelte "Null Toleranz", betonte die Umweltorganisation. "In Österreich wird auf 245.000 Hektar Mais angebaut. Eine 'nur' 0,1 prozentige Verunreinigung mit gentechnisch verändertem Saatgut käme damit einer Freisetzungsfläche von 245 Hektar gleich", sagte Fertl.

2.5.2001 12:48