Montag, 30. April 2001

Nach Barcelona-Sieg - Schumi auf WM-Kurs!

  • Angst vor "Formel Langeweile" nach Schumacher-Dominanz
  • Plus: Alle Infos zum Großen Preis von Spanien

Man nennt ihn den "Außerirdischen", "König ohne Rivalen" oder auch "Killer der WM": Ferrari-Star Michael Schumacher, der am Sonntag in Barcelona im GP von Spanien seinen vierten Saisonsieg feierte und mit 21 Zählern Vorsprung auf den Kolumbianer Juan Pablo Montoya (Williams-BMW) zum sechsten Saisonrennen auf den A1-Ring in die Steiermark (12.5.) kommt, hat bei seiner Solo-Tournee in Richtung Rekord-Titel vorerst keine Gegner und bereits für die nächsten Wochen die WM-Spitze abonniert.

Einen Tag nach der "Spazierfahrt" von Barcelona, wo er im Finish bereits den "Schongang" eingelegt hatte, überschlug sich die internationale Presse in Superlativen. Aber sogar im Ferrari-Land Italien wurde die Angst vor einer "Formel Langeweile" deutlich. "Nach fünf Rennen ist die WM schon kaputt", kommentierte die "Gazzetta dello Sport" die unheimliche Dominanz des Deutschen. "Schumacher zerquetscht die Formel 1", meinte "La Repubblica".

Sogar der 33-jährige Weltmeister gab erstmals Gedanken an einen vorzeitigen Titelgewinn preis. Er hoffe, "dass die Meisterschaft nicht allzu spannend wird, und ich meine Nerven und die des Teams etwas schonen könnte". Den mittlerweile unübersehbaren Frust der Konkurrenz konterte Ferrari gelassen. "Ich hoffe nicht, dass es langweilig ist. Aber das ist sicher nicht unser Problem", sagte Technikchef Ross Brawn. Geht es in der bisherigen Tonart weiter, könnte Schumacher vielleicht schon im Heim-Rennen Ende Juli in Hockenheim vorzeitig den fünften Titel klar machen und Juan Manuel Fangios Rekord einstellen.

Die internationale Presse zeigte sich am Montag bewundernd, aber auch sorgenvoll. Der "Daily Telegraph" nannte den Deutschen den "Unberührbaren" und vermutete, "er hätte für eine Teepause stoppen können und immer noch gewonnen". Die spanische "Marca" nahm Anleihe beim Fußball-Zitat des Engländers Gary Lineker: "Von 22 Rennfahrern, die an den Start gehen, gewinnt immer der Deutsche." Italiens "Il Nuovo" nannte ihn den "Außerirdischen". Die "Gazzetta" riet Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, sich "allmählich Sorgen zu machen".

Berger: "Das ist frustrierend"
Die ratlosen Verfolger scheinen schon resigniert zu haben. Obwohl seine Piloten Montoya und Ralf Schumacher auf den Plätzen zwei und drei rangieren, zählt auch Gerhard Berger dazu. "Ferrari ist sehr dominant, das ist zum Teil sehr frustrierend", gestand der Tiroler. "Es ist eine sehr wohl erarbeitete Dominanz, dem muss man Respekt zollen", meinte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug, der "Ferrari/Bridgestone/Schumacher" gar "in einer eigenen Liga" wähnte.

Der aktuelle F 2002 dominant, der Wagen für 2003 im Bau - Ferrari kann in Ruhe zweigleisig arbeiten. Brawn bestätigte, dass die Arbeit am nächstjährigen Auto vorangehe. Er nannte auch das Erfolgsrezept: "Stabilität ist der Schlüssel. Wir sind sehr glücklich, dass die Gruppe von Leuten für lange Zeit zusammen geblieben ist. Das bedeutet, dass wir unsere Stärke von Jahr zu Jahr aufgebaut haben."

Endstand nach 65 Runden

1.Michael SchumacherGERFerrari1:30:29,981 Std.
(Durchschnittsgeschwindigkeit: 203,753 km/h)
2.Juan Pablo MontoyaCOLWilliams-BMW+35,630 Sek.
3.David CoulthardGBRMcLaren-Mercedes42,623
4.Nick HeidfeldGERSauber-Petronas1:06,697
5.Felipe MassaBRASauber-Petronas1:18,973
6.Heinz-Harald FrentzenGERArrows-Cosworth1:20,430
7.Jacques VilleneuveCANBAR-Honda1 Runde
8.Allan McNishGBRToyota1 Runde
9.Mika SaloFINToyota1 Runde
10.Jarno TrulliITARenault2 Runden
11.Ralf SchumacherGERWilliams-BMW2 Runden
12.Jenson ButtonGBRRenault5 Runden


Ausgeschieden: Rubens Barrichello (BRA) Ferrari, Pedro de la Rosa (ESP) Jaguar-Cosworth, Kimi Räikkönen (FIN) McLaren-Mercedes, Giancarlo Fisichella (ITA) Jordan-Honda, Takuma Sato (JPN) Jordan-Honda, Eddie Irvine (GBR) Jaguar-Cosworth, Enrique Bernoldi (BRA) Arrows-Cosworth, Olivier Panis (FRA) BAR-Honda

Nicht am Start: Alex Yoong (MAS) Minardi-Asiatech, Mark Webber (AUS) Minardi-Asiatech

30.4.2001 14:20
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts