Rede zum Jahrestag der Befreiung des KZ Mauthausen

Den heutigen 65. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen nahm Bundespräsident Thomas Klestil zum Anlass zu einem Apell: Er warnte "vor den Folgen einer Verrohung der Sprache" und verband damit die "Aufforderung, aus dem Holocaust die richtigen Lehren zu ziehen".
Bei der Gedenkfeier in der Wiener Hofburg mahnte er alle politischen Verantwortlichen, "dem Gedenken an den Holocaust einen festen Platz im öffentlichen Leben einzuräumen", und verurteilte jedes "Spiel mit Ressentiments".
Klestil: Einfache Antworten sind "verlockend", aber "selten richtig"
Klestils Warnung: "Einfache Antworten sind verlockend, doch sie sind nur selten die richtigen. Mit Ressentiments zu spielen, ist moralisch verwerflich und darf in einer Demokratie keinen Platz haben. Niemand darf die niederen Instinkte der Menschen schüren wie Feuer, das letztlich außer Kontrolle gerät und die Errungenschaften unserer Zivilisation gefährdet. Das Spiel mit Vorurteilen ist ein Spiel mit dem Feuer, ein Spiel, bei dem die Demokratie in jedem Fall verliert."
Das Staatsoberhaupt sprach sich klar dagegen aus, unter die Vergangenheit einen Schlussstrich zu ziehen. Kein Land könne sich seine Geschichte und sein Erbe aussuchen. Entscheidend sei, so der Bundespräsident wörtlich, "wie wir mit der Vergangenheit umgehen. So wie uns Höchstleistungen Österreichs mit Stolz erfüllen, so erfüllen uns die dunklen Stunden unserer Geschichte mit Trauer und Scham."
Fischer: Gewalt und Unfreiheit an Wurzel bekämpfen
Nationalratspräsident Heinz Fischer (SPÖ) hat sich am Freitag anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus dafür ausgesprochen, Diktatur, Gewalt und Unfreiheit an der Wurzel zu bekämpfen. Fischer erinnerte daran, dass der Gedenktag im Jahre 1997 durch eine Entschließung des Nationalrates initiiert wurde. Dieser Gedenktag steht in Verbindung mit der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen, soll aber darüber hinaus gesamthaft an die Verirrungen und Verbrechen des Nationalsozialismus, das heißt an Diktatur, Gewalt, Rassismus und Verletzung von Menschenrechten, erinnern.
"Was wir im 20. Jahrhundert gelernt haben, ist die Tatsache, dass Diktatur, Gewalt und Unfreiheit bekämpft werden müssen, wo immer sie ihren Ausgang nehmen und welchen Zielen sie auch immer zu dienen vorgeben. Es kann keine Unterscheidung in gute und schlechte Diktaturen geben, weil jede Diktatur aus ihrem innersten Wesen heraus inhuman ist", sagte Fischer. Selbst wenn es zutreffe, dass auch die Demokratie nicht fehlerfrei ist, hätten wir doch gelernt, dass die schlechteste Demokratie hundertmal besser ist, als die "beste" Diktatur.
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