Papst entschuldigt sich für Vergangenheit

Der Papst war nicht mal zwei Stunden in Athen, da packte der alte Mann das brenzlige Thema an. In der Vergangenheit fielen seine Entschuldigungen für historische Verbrechen von Christen abstrakt, mitunter gar schwammig aus. Am Freitag sprach Johannes Paul II. Klartext.
Mit seinem "Mea Culpa" für die blutige Eroberung und Plünderung Konstantinopels vor 800 Jahren durch die Kreuzfahrer beugte er sein Haupt vor den orthodoxen Gläubigen - ist ein Ende der Eiszeit zwischen Rom und den Ostkirchen in Sicht?
Für die 130 Millionen Orthodoxen in Osteuropa handelt es sich nicht nur um ein Stück Geschichte. "Die Wunden sind noch immer offen", mahnte der Athener Erzbischof Christodoulos den Papst mit beinahe schneidender Stimme. Der Empfang in Athen war zunächst mehr als kühl. "Einer der schwierigsten Auslandsreisen des Papstes", verlautete im Vatikan. Proteste radikaler orthodoxer Mönche und Priester hatten einen dunklen Schatten auf den Besuch geworfen. Tausende Polizisten waren mobilisiert. Dem Papst war offensichtlich klar: Eine zweite Chance zu einem Versöhnungsschritt würde es so bald nicht mehr geben - klare Worte waren gefragt.
Papst fleht um Vergebung
Alt und schwach wirkt das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, doch wenn es um große Gesten und charismatische Auftritte geht, ist der "große Kommunikator" noch immer ein Meister. "Ich denke an die verheerende Plünderung der ... Stadt Konstantinopel, die so lange Bastion des Christentums im Osten war." Die Söhne der Kirche hätten sich an ihren christlichen Mitbrüdern versündigt. Tiefes Bedauern und "Flehen um Vergebung" seien geboten.
Mit drei, vier Sätzen vor laufenden Kameras lieferte der Papst Millionen Orthodoxen nicht nur die sehnsüchtig erwartete Entschuldigung: Es scheint, dem alten Mann sei es gelungen, 1000 Jahre nach dem großen Schisma - der Kirchenspaltung - ein neues Kapitel in den Beziehungen der Kirchen aufzuschlagen. "Große Geste", "historischer Augenblick" - geradezu euphorisch fiel der Jubel der griechischen Medien aus. Zuvor hatten die Griechisch-Orthodoxen den Mann aus Rom nicht einmal eingeladen - zum Abschluss gab Christopulos ihm den Bruderkuss.
Warnung vor vorschnellem Jubel
Dennoch, Kenner der Ökumene warnen vor vorschnellem Jubel: Der "Augenblickserfolg" von Athen solle nicht täuschen. Zwar unterschrieben der Papst und Christodoulos gar eine gemeinsame Erklärung über die "christlichen Wurzeln Europas" - auch dies nach 1000 Jahren ein Novum.
Trotzdem bestehen bei der Annäherung der Ost- und Westkirchen noch schwere Probleme. Der größte "Bremsklotz" ist der Moskauer Patriarch Alexi. Seit Jahren will der Papst nach Moskau, seit Jahren arbeitet der Vatikan an der Organisation eines "Kirchengipfels" mit den religiösen Führern aus Rom, Istanbul und Athen. Mitunter schien er sogar in greifbarer Nähe. Dann sei es immer wieder Moskau, das einen Strich durch die Rechnung mache. Immerhin: Im Juni reist Johannes Paul in die Ukraine - "halb auf dem Wege nach Moskau", meint man im Vatikan optimistisch. Der Papst hat die "Aufweichung" des Schismas zu seinem "Altersthema" erklärt - doch niemand weiß, ob ihm dazu noch genügend Zeit bleibt.
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