Ständiger Machtkampf mit konservativer Geistlichkeit

Seit seinem Amtsantritt im August 1997 muss sich der iranische Präsident Mohammad Khatami gegen ständige Angriffe und Widerstände von konservativ-islamischen Kräften behaupten. Doch der 58-Jährige lässt sich nicht mürbe machen.
Er wolle bei der Präsidentenwahl am 8. Juni erneut antreten, verkündeten ein Vertreter des Teheraner Innenministeriums und die konservative Zeitung "Jomhuri Eslami".
Khatami-Unterstützung im Volk ungebrochen
Vier Jahre nach seinem ebenso sensationellen wie triumphalen Wahlerfolg vom Mai 1997 weiß der iranische Präsident mehr denn je den Großteil der Bevölkerung hinter sich. Auf dem Weg zu einer "islamischen Demokratie" befindet sich der moderate Politiker jedoch im ständigen Machtkampf mit den konservativen Mullahs, die das gesamte Leben im Land den strengen Regeln des schiitischen Islam unterwerfen wollen. Trotz schmerzlicher Niederlagen und ständiger Nadelstiche seiner konservativen Gegner übt sich Khatami bisher jedoch weiter in Geduld und verficht eine Politik der kleinen Schritte.
Auf dem Papier will der Präsident mit der stets tadellosen geistlichen Robe, dem gepflegten grauen Bart und dem freundlichen Lächeln das Gleiche wie die Geistlichkeit: die Prinzipien des Islam in sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen zur Geltung bringen. Als Sohn des geachteten Ayatollah Ruhollah Khatami absolvierte er seine Koran-Ausbildung in der heiligen Stadt Ghom (Qom/Kum). Außerdem machte er in Isfahan einen Abschluss in Philosophie und erlangte in Teheran das Diplom für Erziehungswissenschaften.
In den 70er Jahren unterstützte Khatami, damals Leiter des iranischen Islam-Zentrums in Hamburg, die Bemühungen der moslemischen Opposition, den Schah zu stürzen und eine islamische Republik zu gründen. Nach der Islamischen Revolution, die 1979 die Monarchie hinwegfegte und Ayatollah Khomeini an die Macht brachte, vertrat er zunächst seinen zentraliranischen Geburtsort Ardakan im Teheraner Parlament (Majlis). Im Jahr 1982 wurde Khatami dann unter dem damaligen Präsidenten (unter späteren Khomeini-Nachfolger Ayatollah) Ali Khamenei zum Minister für Kultur und Religionsangelegenheiten ernannt. In den folgenden Jahren ging er jedoch zunehmend auf Distanz zum fundamentalistischen Kurs.
1997: Triumph für Khatami mit 70 Prozent der Stimmen
Dies führte 1992 zum offenen Bruch mit den Mächtigen. Khatami trat als Minister ab und landete auf dem Abschiebeposten des Direktors der iranischen Nationalbibliothek. Für viele Menschen, vor allem Frauen und Intellektuelle, entwickelte er sich in der Folgezeit jedoch zu einem Hoffnungsträger. Im Mai 1997 gelang ihm bei der Wahl des Nachfolgers von Präsident Ali Akbar Hashemi Rafsandjani ein überwältigender Sieg mit rund 70 Prozent der Stimmen über den offiziellen Kandidaten der Geistlichkeit, Ali Akbar Nategh-Nouri.
Seit diesem Einschnitt setzen viele Iraner ihre Hoffnung in Khatami, der versprochen hat, internationale Öffnung und Meinungsfreiheit mit den Werten der Islamischen Republik zu vereinen. Die Konservativen wiederum verteidigen jeden Millimeter des von ihnen kontrollierten Terrains und machen Khatami das Leben so schwer wie möglich. Dafür stehen unter anderem das Verbot von bisher 17 reformorientierten Zeitungen, die Verurteilungen des ehemaligen Teheraner Bürgermeisters Gholamhossein Karbastchi und des Ex-Innenministers und Khatami-Getreuen Abdullah Nouri wegen "anti-islamischer Propaganda", Festnahmen von Intellektuellen und Journalisten. Wie groß die Zustimmung der Bevölkerung zu Khatami ist, wurde zuletzt bei der Parlamentswahl vom Februar 2000 deutlich, bei der die Reformer einen glänzenden Sieg davontrugen und rund 80 Prozent der Abgeordnetensitze errangen.
Familiendrama in St. Pölten21:30
Vater schießt auf SohnUnfassbarer Vorfall in Volksschule Wagram. Auch Tochter aus Klasse geholt
Canyoning-Unfall20:30
Zwei TodesopferTeilnehmer einer Gruppe stürzen in Bachbett - Beide erleiden tödliche Verletzungen
Fleischfressende Bakterien10:56
Angst vor Killer-KeimenStudentin in den USA ringt ums Überleben - Expertin klärt auf: Fälle auch in Österreich
