Samstag, 28. April 2001

Draxler: Kein Vorzugsschüler des Ministers

Im FORMAT-Interview rechnet Noch-Bahnchef Helmut Draxler ab - über seinen Ärger mit der Infrastruktur-
ministerin, dem neuen ÖBB-Aufsichtsrat und den Landesligaspielern im Vorstand.

Format: Herr Draxler, Ihr Abgang wird von den Eigentümern damit begründet, daß Sie kein Teamplayer seien?
Draxler: Ich weiß. Aber es kommt halt darauf an, wer die Teamspieler sind. Wenn ich die Stars der Landesliga habe und in der Champions League spielen will, kriege ich ein Problem. Ich habe in der zweiten Ebene ein großartiges Team aufgebaut, auf das viele Unternehmen sehr stolz wären.

Format: Für den Vorstand gilt das nicht?
Draxler: Richtig, da hatten wir ein paar Landesligisten.

Format: An Ihrem Nachfolger wird gerühmt, daß er sich auch unterordnen kann. Vielleicht haben Sie Infrastrukturministerin Monika Forstinger zu sehr provoziert?
Draxler: Es ist absolut nicht meine Sache, Vorzugsschüler des jeweiligen Ministers zu sein. Mein Jobverständnis sieht anders aus.

Format: Frau Forstinger waren Sie definitiv nicht angenehm.
Draxler: Je schwächer ein Minister, desto weniger sind solche Qualitäten gefragt.

Format: Sie leisteten für die ÖBB sehr erfolgreiche Arbeit.
Draxler: Wir haben eine beinharte Effizienzsteigerung umgesetzt. Trotzdem stehen zwei Drittel der Mitarbeiter hinter mir. Für mich das schönste Kompliment.

Format: Glauben Sie, daß auch Ihre SPÖ-Nähe ein Grund für Ihre Ablöse ist?
Draxler: Zufall dürfte es keiner sein. Der politische Trend ging von Anfang an in die Richtung, jeden in Frage zu stellen, der der SPÖ zugerechnet wird.

Format: Es gibt das Gerücht, Sie hätten sich nur noch einmal beworben, um Ihren Pensionsanspruch nicht zu verwirken.
Draxler: Blödsinn. Ich habe den Anspruch ganz unabhängig von dieser Bewerbung. Wenn ich einmal in Rente gehe, kriege ich so um die dreißig, vierzig Prozent des Letztbezugs. Genau weiß ich das gar nicht.

Format: Was werten Sie als den größten Erfolg Ihrer ÖBB-Ära?
Draxler: Wir sind zu einem Herzeigeunternehmen geworden. Die ÖBB gelten in ganz Europa als Benchmark für die Entwicklung eines Top-Schienencarriers und für den Aufbau eines Logistikkonzerns. Wir hatten enorme Erfolge im Einkaufsmanagement, die international das Preisniveau für Lokomotiven gedrückt haben. Eine Lok, die früher fünfzig Millionen kostete, kriegen wir heute um 36 Millionen.

Format: Und Ihr größter Mißerfolg?
Draxler: Bei meinen Bemühungen, Nebenbahnen zu schließen, bin ich an Lokal- und Regionalpolitikern gescheitert, die glauben, die Welt bricht zusammen, wenn ein Geisterzug weniger fährt. Auch Frau Forstinger will die Nebenbahnen offenbar halten, um keine Bürgermeister zu verärgern. Dieser politische Nutzen kostet uns jährlich zwei Milliarden Schilling an Volksvermögen.

Format: Sie sind einer der gefragtesten Manager Österreichs. Verraten Sie uns, zu welchem Unternehmen Sie jetzt gehen?
Draxler: Eventuell nehmen sie mich als Austräger für die Arbeitslosenzeitung „Augustin“. Ich habe aber auch andere hochinteressante Angebote. Die werde ich dann im Sommer sondieren.

Das gesamte Interview lesen Sie im neuen FORMAT.

28.4.2001 16:55