Donnerstag, 26. April 2001

Konjunkturexperte nennt Entscheidung konsequent

Die Europäische Zentralbank hat angesichts anhaltender Inflationsgefahren erneut Forderungen nach einer Zinssenkung getrotzt. Die Währungshüter ließen die Zinsen am Donnerstag unverändert. Die Entscheidung war erwartet worden, auch wenn der Ruf nach einer Zinssenkung wegen der Konjunkturabkühlung lauter geworden war.

Der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank, Martin Hüfner, begrüßte die Entscheidung des EZB-Rates. Eine Senkung zum jetzigen Zeitpunkt wäre ein ganz großer Fehler gewesen, die EZB hätte dadurch politischem Druck nachgegeben.

Zudem sei die bisherige Politik der EZB durch die aktuellen Preiszahlen bestätigt worden. Die Konjunktur befinde sich derzeit in einer höchst "ungemütlichen Situation zwischen Wachstumsabschwächung und steigenden Preisen". Eine Rezession im Euro-Raum befürchtet der Experte allerdings nicht.

Eurokurs legte auf über 90 Cent zu
Die Zinspolitik der EZB sei konsequent, was auch von den Devisenmärkten positiv gesehen werde. Der Eurokurs legte kurz nach der Entscheidung auf über 90 Cent zu.

Mit einer Zinssenkung in den kommenden Wochen rechnet der Hüfner nicht. Vor vier Wochen wäre eine Lockerung der Zinszügel noch möglich gewesen. Jetzt müssten die obersten Währungshüter konsequent bleiben.

Die EZB hatte eine Lockerung der Zinszügel in der Vergangenheit mit Hinweis auf anhaltende Preisrisiken immer wieder abgelehnt. Die Inflationsrate in der Euro-Zone war im März unverändert bei 2,6 Prozent verharrt. Ein Jahr waren es noch 2,1 Prozent. Eine Rate von zwei Prozent ist das selbst gesteckte Ziel der EZB.

Die US-Notenbank hatte dagegen wegen der Konjunkturdelle in den Vereinigten Staaten die Zinsen seit Anfang des Jahres schon vier Mal verringert. Der Leitzins für die kurzfristige Geldbeschaffung der Privatbanken, die Federal Funds Rate, liegt mittlerweile bei 4,5 Prozent und damit unter dem dritten Leitzins im Euro-Raum von 4,75 Prozent.

26.4.2001 20:13