"Rivalen" zur Telekom, Betriebsrat plant Revolte

Johannes Ditz, interimistischer Alleinherrscher der Verstaatlichten-Holding ÖIAG, durchlebt stürmische Zeiten. Nach dem Sundt-Abgang werden seine Rivalen dringend an der Telekom-Spitze gebraucht. Dort will der Betriebsrat auf die Barrikaden steigen - Streik nicht ausgeschlossen. So hat Ditz Glück: Sein ÖIAG-Chefsessel ist sicher.
Roberto Colannino, Chef der Telecom Italia – mit einer Beteiligung von 29,8 Prozent nach der ÖIAG (47,8 Prozent) der zweite TA-Großaktionär –, stellte im Gegensatz zu Ditz jetzt ganz offiziell klar, dass es im Einvernehmen mit der ÖIAG sehr wohl zu einem Wechsel an der TA-Spitze kommen wird. Colannino hat damit auch prompt auf das Ultimatum von TA-Chef Heinz Sundt reagiert. Dieser hatte im vorwöchigen NEWS gefordert, den TA-Vorstand entweder „in Ruhe arbeiten zu lassen“ oder „abzulösen“. Was Sundt betrifft, war die Antwort eindeutig. Ob auch die anderen TA-Vorstände in die Wüste geschickt werden, ist noch offen.
Ditz: Sein ÖIAG-Chefsessel ist sicher
Der kurz im Regen stehen gelassene Ditz – er betreibt zwar die Ablöse von Sundt im Auftrag von ÖIAG-Aufsichtsratschef Alfred Heinzel, hat das offiziell allerdings immer dementiert – wird die Angelegenheit aber unbeschadet überstehen. Mehr noch: Während Sundt das Feld räumt – allerdings nicht freiwillig, er wird mit einer Abfertigung von 20 bis 30 Millionen aus seinem Vertrag ausgekauft –, ist Ditz nach Angaben aus Regierungskreisen der ÖIAG-Chefsessel sicher. Neben dem ehemaligen ÖIAG-Boss Rudolf Streicher nur der zweite Mann im Vorstand und derzeit bloß interimistisch an der Spitze, erklimmt er damit jetzt den Gipfel. Und wird voraussichtlich sogar als Alleinvorstand herrschen.
Ditz, dem nach Streichers Abgang nur geringe Erfolgschancen eingeräumt wurden, verdankt seinen Sieg vor allem zwei Faktoren:
1. Die Volkspartei, die ihm kurzfristig das Vertrauen entzogen hat, setzt wieder auf ihn.
2. Es fand sich kein Manager von Rang und Namen, der an die ÖIAG-Spitze wollte.
Ditz-Rivalen werden bei Telekom gebraucht
Freilich hat Ditz auch Glück gehabt: Jener Manager, den Heinzel und Co gerne neben Ditz in der ÖIAG installiert hätten, wird dringend für die Telekomspitze gebraucht. Denn ursprünglich war der Schweizer Papiermanager Ernst Häberli für den Vorstandsjob in der ÖIAG – gleichberechtigt neben Ditz – vorgesehen. Nun soll der Heinzel-Vertraute aber Sundt beerben. Die nun getroffene Lösung ist aber auch politisch leichter umsetzbar. Die VP bekommt mit Ditz die Führung der ÖIAG, und der blaue Kreis um den FP-Industriellen und Nationalratspräsidenten Thomas Prinzhorn sowie Heinzel darf einen Mann seines Vertrauens an die Spitze der Telekom hieven.
Telekom-Chaos
Die Debatte über die neue ÖIAG-Führung ist damit zwar vorläufig beendet, bei der ohnehin schwer gebeutelten Telekom Austria geht das Chaos aber jetzt erst so richtig los. Helmut Hospoder, Betriebsratschef des 54-Milliarden-Konzerns mit rund 15.000 Mitarbeitern, geht auf Kampflinie: „Wenn der gesamte Vorstand abgelöst wird, dann gibt es sicher Aktionen bis hin zu einem Streik“. Sein Argument: Ein neuer Vorstand müsse sich komplett einarbeiten, die Sanierung werde dadurch verzögert. Trotz Widerstandes zeigen zwei Kandidaten größtes Interesse, neben Häberli in den TA-Vorstand einzuziehen: Karl Michael Millauer, Vorstand bei der börsenotierten BWT, und Räto Held, Manager beim Telefonkonzern Swisscom.
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